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GFK Karte der Woche 4/58

Neue Woche, neue Karte. Diesmal: über Empathie. Doch wie funktioniert das?

Zuhören, wenn alle anderen sich abwenden. Oder es niemanden gibt, der zuhören kann. Das ist solch ein kostbares Geschenk. Einfach nur Zuhören.

Vor einigen Wochen hatte ich einen Video Call. Mit einem buddhistischen Mönch. Natürlich habe ich ihm zuvor mein Anliegen schriftlich vorgetragen. Dann haben wir telefoniert. Und weisst Du was? Manchmal ist zuhören, selbst wenn man kaum etwas sagt, so enorm wichtig. Und wohltuend.

Bei diesem Telefonat habe ich unheimlich viel gelernt. Über Empathie, Zuhören, Mitgefühl. Und vor allem darüber, wie Knoten sich von alleine auflösen. Wenn ein Mensch die Möglichkeit hat seine Sorgen zu teilen. Aber, es wurde noch besser.

Tatsächlich ist es auch so, dass beim Sprechen ein Denkprozess stattfindet. In dem Moment, in dem man etwas sagt, fallen Groschen. Wie Memorysteine. Und am Schluss, mit einem lauten „Klonk“, ein Stein vom Herzen. Das ist mir in diesen 2 Stunden mehrmals passiert. Ein Mega-Geschenk. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Aktives Zuhören, keine einfache Übung. Dennoch, sehr effizient. Ausserdem ist es eine Übung, die sich leicht in den Alltag einbauen lässt.

Mein Chef ruft gerade an. Dann wollen wir mal. So ein Empathie-Bad ist ja auch Wellness.

(Rückseite)
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Kleiner Drei yourself

Da hatte ich neulich also etwas über Entscheidungen geschrieben. Und in diesem Zusammenhang folgten dann Fragen. Auch Gespräche. Aufgrund unterschiedlichster Überlegungen. Und Beweggründe.

Eine der häufigsten Fragen ist die der Konsequenz(en). Und ganz ehrlich, ich glaube das ist die letzte Frage die man sich stellen sollte. Gerade wenn es um Zwischenmenschliches geht. Denn an erster Stelle geht es um einen selbst. Was nicht impliziert, dass man sich seiner Verantwortung anderen gegenüber nicht im Klaren sein sollte. Ausserdem kommt es sehr auf die Beteiligten an. Und die etwaige Konstellation. In der die unterschiedlichsten Charaktere aufeinandertreffen.

Sicherlich muss man nicht alles gleich droppen. Leben wegwerfen. Sein eignes. Oder das anderer. Und dennoch braucht es unterschiedlich viele Schnittstellen, für eine gesunde Beziehung.

In meinem Leben bin ich mittlerweile auf eine ganze Reihe Menschen & Paare getroffen. Durchaus hatte ich selbst auch schon so manche Beziehung. Und es gibt viele Gründe dafür, warum einige Konstellationen funktionieren. Aber ein Grund, dass ist meines Erachtens der Wesentlichste, ist der, zu wissen wer man ist. Und das auch zu bleiben.

Wer bist Du, wenn Du alleine bist?

Oftmals verfällt man in Beziehungen dem Wunsch dem anderen Menschen zu gefallen. Auf Biegen und Brechen. Das ist dieses „es dem anderen recht machen“. Tu das bitte nicht! Lass das einfach sein.

Jemand der Dich mag oder gar liebt, dem musst Du gar nichts recht machen. Denn dieser Mensch bleibt bei Dir weil Du genau so bist, wie Du eben bist.

Gleichwohl ist dies aber auch ein guter Indikator. Wenn nämlich Dein(e) Gegenüber der Meinung ist, dass Du hier und da mal etwas an Dir ändern könntest. Dann befindest Du Dich nicht auf dem Weg in schwieriges Gelände. Sondern Du stehst bereits mitten drin. Nicht nur im Schilf. Sondern im Morast. Wie auch immer Du dorthin gelangt bist. In dem Moment wo es angesprochen wird, gab es bereits im Vorfeld Überlegungen dazu. Als Resultat von Beobachtungen.

Natürlich ist Reflexion gut. Feedback. Man kann einiges für sich verbessern. Nobody is perfect, right!? Aber grundlegende Charaktereigenschaften, schwierig.

Doch wie schaut es eigentlich mit den Partner-Charakteren aus, bei denen es schwierig werden könnte? Oder die, formulieren wir es mal um: etwas herausfordernd sein könnten? Damit man ein stabile Beziehung führen kann? Vielleicht stellt man fest, dass man sich geirrt hat. Nachdem man die rosarote Brille abgenommen hat. Plötzlich ist der einstige Traumprinz ein Egoist, die Traumfrau eine Opportunistin.

Exemplarisch habe ich mal 3 Kategorien näher beschrieben. Und meinen Senf dazugegeben. Man möge es mir bitte nachsehen.

Komm aus dem Quark.

In meinem Heimatort Mannheim nennt man sie ‚Babbler‘. Die, die Dir Geschichten aus dem Schlaraffenland erzählen. Ziemlich offensichtlich aber nie selbst dort waren. Sie träumen Dir eine Zukunft vor, die sie in diesem Augenblick selbst sicherlich so meinen. Aber grad geht es noch nicht. Morgen vielleicht aber schon. Erst noch das machen. Dies tun. Und jetzt? Ah, genau…eigentlich wäre es….aber dann doch noch nicht. Etwas fehlt noch. Hätte man doch und weil man es nicht hat…Sobald das dann erledigt, dieses Ziel erreicht ist….jedoch, fehlt wieder etwas. Und am Ende ist es Angst, Mut, fehlendes Freiheitsgefühl oder gar eine Liebe, die es nicht gab.

Konjunktive. Muss ich dazu hier überhaupt noch etwas zu schreiben?

Und so voller vielsagender Versprechen das Seifenblasenschloss auf dem Regenbogen ist, es gibt auch das krasse Gegenteil: schwarze Löcher.

Die Leere hinter den Augen, die fehlende Bewegung der Gedanken.

Mit einem Blick in die Augen eines Menschen kann man mitunter dessen Tiefe erkennen. Einen Blick auf die Seele erhaschen. Und bei einigen ist das tatsächlich auch so. Bei anderen wiederum schaut man hin und….da ist einfach nichts. Keine Bewegung hinter der Linse. Es gibt nur schwarz/weiss, ja/nein, Krieg/Frieden, 0/1.

Meist erzählen sie wer sie sind. Was sie beruflich für eine Rolle spielen, welches Auto sie fahren, oder wen sie so alles kennen. Man erfährt über die Menschen, die sie „kennen“, meist mehr, wie über den Gesprächspartner selbst. Warum? Cause they ain’t nobody.

Das sind Sales Typen. Marktschreier. Die sich durch andere in ihrem Umfeld aufwerten. Ein Publikum brauchen. Und manchmal dann selbst entertained werden wollen. Wenn niemand da ist, dem sie die Heldentaten anderer berichten können.

Eine Beziehung mit derart Charaktere ist meist pointless. Zumindest dann, wenn man selbst etwas mehr denkt. Der Intellekt und / oder die Gefühltewelt ein steiles Gefälle zum Gegenüber bildet. Hier durchzudringen könnte einige Kraft kosten.

It’s not a Game, it’s Powerplay

Was man in weniger glücklichen Beziehungen auch häufig beobachten kann: Powerplayer.

Wo zuvor womöglich noch Augenhöhe war, schaut plötzlich eine(r) hoch. Oder runter. Eine(r) sagt an, die/der andere folgt. Meist blindlings. Man vertraut. Was soll schon passieren? ALLES!

In so einer Situation kann tatsächlich alles passieren. Machtgefälle sind der Assassin. Denn mitunter schleicht sich das Gefälle einfach ein. Und wird dann ausgebaut. Machtgefälle sind extrem gefährlich. Selbst wenn sie geradezu menschlich sind. Und doch sind sie erstaunlich weit verbreitet. Es sind Kontrollmechanismen.

Die Täter (ich möchte sowas nicht ‚Partner*in‘ nennen): Kontrolleties. Menschen, die sich über andere erheben. Nur um sich damit gut zu fühlen.

Das beliebteste Machtgefälle ist vermutlich finanzieller Natur. (Neben dem der körperlichen Überlegenheit, auf das ich hier der Verabscheuungswürdigkeit wegen nicht eingehe.)

Sicherlich gibt es auch subtile Machtgefälle. Sie sind meist eine Fiktion. Durchaus auch künstlich konstruiert.

In solchen Fällen lässt sich übrigens oftmals eine Täter-Opfer-Umkehr beobachten. Also das sich jemand als Opfer darstellt, tatsächlich aber Täter*in ist. Frag mich bitte nicht, wieso Menschen so etwas tun. Denn perfider geht es eigentlich schon gar nicht mehr. Meine Meinung.

Fakt ist: wie auch immer geartet, sowas tut niemandem auf Dauer gut. Und Du selbst gehst in sowas nicht nur unter, sondern auch verloren.

Zurück zum Ausgangspunkt.

Wer also bist Du, wenn Du alleine bist? Du als Mensch? Was magst Du? Was bereitet Dir Freude? Was würdest Du gerne mit einem anderen Menschen teilen? Von Dir? Was liebt Du? Weisst Du was Liebe ist, respektive wie lautet Deine Definition davon? Kennst Du Deine Stärken? Schwächen? Wie gehst Du damit um? Auch mit Deinen Emotionen? Kannst Du diese Fragen alle beantworten? Aus dem Stegreif? Dann: herzlichen Glückwunsch.

If not, get pen‘n paper and write it down. Vielleicht wirst Du Dich sogar selbst überraschen. Weil einiges neu ist. Auf alle Fälle wirst Du feststellen, dass Du eben nicht langweilig bist. Und wissen wer (und nicht nur das) Du bist.

Das ist die erste Hürde im Entscheidungsbaum. Noch bevor es um Entscheidungen selbst, gar um Konsequenzen geht.

Am Ende des Tages musst Du mit Dir leben können. im Einklang sein. Nur so schaffst Du Dir Balance. Und Liebe zu Dir selbst. Letztendlich vermeidest Du so viel unnötiges Leid.

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Mein Freund

Heute ist ein guter Tag. Die Sonne scheint. Es ist nicht zu laut. Angenehm. Auch die Stimmung. Und vor allem meine eigene.

Gestern war auch ein guter Tag. Eigentlich der beste. Denn alles verlief gut.

„Reg Dich jetzt bitte nicht auf. Ich muss im Krankenhaus. Mir wird eine neue Herzklappe eingebaut“, hattest Du mir am Telefon mitgeteilt. Ich regte mich nicht auf. Natürlich nicht. Und während ich vor einem Jahr vermutlich innerlich kollabiert wäre, vor Sorge, so bin ich es diesmal nicht. Denn neuerdings ist alles anders.

Der Weg, den ich eingeschlagen habe, funktioniert. Mein ganz eigenes Programm der Selbstfürsorge: es wirkt. Und mit der inneren Ausgeglichenheit, meiner Balance, kommt die Zuversicht. Alles ist gut. Und das wird sich auch zukünftig nicht ändern. Wieso auch? Denn: alles ist tatsächlich gut.

Zugegeben, ein bisschen aufgeregt war ich schon, als der Anruf kam. Das alles gut verlaufen ist. Aber das ist normal. Nicht dramatisch. Oder ungewöhnlich. Jetzt, mit der neuen Herzklappe, kann‘s weitergehen. Und ich freue mich, wenn wir uns endlich wieder sehen.

Ich liebe Dich, Papa.

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Aus Liebe zu mir selbst

Anfang der Woche zog ich diese GFK Karte über Selbstliebe. Und, was soll ich sagen? Es war schwieriger als gedacht.

Dabei war es zu Beginn eigentlich ganz einfach. Selbstwertgefühl auf einem ungewohnten Allzeithoch. Verbunden mit einem gesunden Selbstbewusstsein. Immerhin hatte ich beruflich und privat ein paar kleinere Erfolge zu verbuchen. Weil ich mich Herausforderungen gestellt hatte. Knoten lösen konnte. Zum Beispiel den mit der Fotografie.

Viel zu lange war ich hier innerlich blockiert. Dabei bedeutet mir dieses Hobby so viel. Auch weil es mich beruhigt. „Es ist also wie Angeln“, stellte eine Freundin von mir fest. Ja, fast wie Angeln. Man fischt nach dem tollsten Motiv. In diesem Fall ist das für mich das Leben. Ein besseres gibt Thema gibt es gar nicht. Snapshots von Augenblicken. Aber in gut.

Gegen Ende der Woche bin ich dann gedanklich nochmal etwas tiefer gekommen. Neben neuen Perspektiven, Themen mit einer anderen Sichtweise zu sehen, kam Vergangenheit hoch. Erinnerungen, an denen ich etwas zu beissen hatte. Und für einen Augenblick war da ganz viel Selbsthass. Ob dem Scham über gesagtes, geschriebenes. Aus einer Zeit, die mich jahrelang so sehr geprägt hat. Emotionale Erinnerung – verdrängen ist eben keine Option.

Ich war nicht immer kein Arschloch. Sicherlich nicht. Und während manches entschuldbar sein mag, anderes ist es nicht. Doch man kann die Vergangenheit nicht ändern. Daher ist es für mich, ganz persönlich, wichtig darauf zu achten das ich weiterhin achtsam bin. Wie richtig und wichtig das ist, dass hat mir diese Woche nochmal gezeigt. Auf so vielen Ebenen. Wofür ich sehr dankbar bin. Definitiv. Es ist der Weg zur inneren Balance. Plus. Minus. Gleichgewicht.

Und weil ich das für mich erkannt habe, darum liebe ich mich grad auch wieder etwas mehr. Alleine weil ich weiss, dass ich es nicht nur kann. Sondern auch so möchte. Und mein Umfeld bestätigt mir das es funktioniert. Da jede Aktion eine Reaktion mit sich bringt.

Ursache, Wirkung. Das wusste schon Buddha. War ein schlauer Mensch. Dieser Buddha. Und ich bin gespannt, welche Karte ich nächste Woche ziehe.

Der kleine weiße Punkt ist übrigens der Mond.
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Messlatten, so tief wie Limbostangen

Die Kunst ist es nicht, das Niveau stetig zu steigern.

Die Kunst ist es, das Niveau immer auf dem gleichen Level zu halten. Dies gilt auch für die Augenhöhe & gegenseitige Wertschätzung.

Wem das zu einfach erscheint, der kann hier gerne aufhören zu lesen. Und sich an die Arbeit machen. Denn von dem erwarte ich weltbewegendes. Das wäre dann nämlich die Kür.

Und die anderen? Meine Hoffnung ist, dass wir niemals die eigene Messlatte senken. Und unsere Mitmenschen dabei unterstützen, diese zu erreichen. Dabei sind keine grossen Schritte notwendig. Es reichen ganz kleine Gesten. Und weil ich niemanden belehren möchte, hier mal ein paar Punkte wie ich das mache. Einfach so.

Schenke Deinen Mitmenschen ein Lächeln. Man muss ja nicht gleich alle Menschen angrinsen. Dennoch kann man freundlich sein. Einen wachen, offenen Blick. Ein sanftes Lächeln. Ich übe das täglich vor dem Spiegel. Damit ich es nicht verlerne.

Ebenfalls einen positiven Effekt kann man mit Demut herbeiführen. Sei es das Vorlassen anderer an der Kasse, das Anbieten eines Sitzplatzes. Wir haben alle gleichviel Zeit. 24 Stunden pro Tag. Niemand kann etwas für den Stress in unserer Zeitplanung. Und dessen Ablauf. Somit sollten wir Abstand nehmen davon, dass auf andere zu transferieren. Etwas Demut, vor allem vor sich selbst. Gleichwohl fördert es unsere eigene Geduld. Meines Erachtens ist das eine sehr einfach Übung. Denn niemand ist mehr.

Abstand, gutes Stichwort. Und eine Überleitung. Nicht schubsen, drängeln, der Aura seiner Mitmenschen wertschätzen. Wo ein Körper ist, da kann ein anderer nicht sein. Wir sind hier nicht beim Billiard. Und unsere Mitmenschen sind keine Kugel. Die man wegstösst, nur um eine bessere Position zu erlangen. Ausserdem unterscheidet uns das von Tieren. Wobei selbst die teils ein sozialeres Verhalten aufweisen.

Menschen beim Namen nennen, auch so eine Wunderwaffe der Freundlichkeit. Menschen die im Verkauf arbeiten kennen das vielleicht. Dieses Gefühl, wenn man ein Namensschild trägt. Und Menschen einen behandeln, wie wenn man für sie und nur für sie angestellt wurde. Herrgott nochmal, Verkaufspersonal ist keine „niedere Kaste“. Und auch Personal hinter einem Schalter, sei es auf Ämtern, Dienstleistungsbüros, In der Pflege, in Hotels: da arbeiten Menschen. Alle haben einen Namen. Die meisten tragen sogar ein Schild. Auf dem steht der Name drauf.

Eine der krassesten Beobachtungen, die ich gemacht habe, war die, als ich in einem Supermarkt eine Verkäuferin mit Namen angesprochen habe. Sie schaute mich freudig an. Leicht irritiert das ich ihren Namen wusste. Ihr Gesichtsausdruck erhellte sich, ich stellte eine Frage. Und bekam eben keine ruppige Antwort. Im Gegenteil. Warum das krass war, fragst Du Dich vielleicht?! Nun, wenn jemand überrascht ist das man sie / ihn mit Namen anspricht, dann ist sowas vermutlich eher selten. Namen sind der Identifier #1. Bereits als Kind lernen wir das. Ein Name gibt uns das Gefühl nicht ‚7 of 9‘ zu sein. Auch wenn es Milliarden von uns Menschen gibt.

„Guten Tag/auf Wiedersehen“, „bitte/danke“, die Klassiker. Und Klassik ist out. Andererseits war früher doch alles besser. Es gab mehr Lametta und beim Metzger hat man als Kind eine Scheibe Wurst bekommen.

Was war ich damals gerne mit meinem Opa morgens einkaufen? Er setzte sich seine Batschkappe auf, ich bekam auch eine. Damit ich ausschaute wie mein Opa. „Männel“, sagte er in bestem Monnemerisch: „Jetzt gehe ma mol die Hauptschtross nunner.“ Und dann öffnete er das Hoftor, nahm meine Hand und wir liefen los.

Mein Opa grüsste jeden, freundlich. Er kannte alle mit Namen. Und jeder kannte seinen Namen. Wenn er jemandem besonders mochte, dann blieben wir stehen. In einem gebührenden Abstand. Er stellte mich allen Menschen vor. Damit sie auch meinen Namen kannten. Meist waren es kurze Gespräche. Aber dafür viele.

Wir kauften eine Zeitung. Bei Herrn Wagenhals. Dem Schreibwarenhändler. Dort unterhielt sich mein Opa dann etwas länger. Während ich mich geduldig auf das Highlight freute. Dem Besuch beim Metzger. Dort gab es nämlich immer eine Scheibe Wurst. Für die ich mich bedankte, bevor ich reinbiß. Und wenn ich es mal vergass, dann schaute mein Opa mich fragend an. „Männel, wie sacht ma?“ Ich blickte kurz auf. Schaute dann zur Verkäuferin, hinter dem Tresen: „Danke, Frau Schmidt.“ und Frau Schmidt erwiderte lächelnd: „Losses Dir schmegge, Männel.“

Hatte es wer eilig, dann wurde höflich vorgelassen. „Mir hawwe Zeit. De Krieg war schlimmer, Männel.“

Recht hatte er. Und ich habe mich auch immer sicher gefühlt. Weil uns niemand angerempelt hat. Die Menschen waren wohlwollend und wertschätzend. Respektvoll. Eben.

Wir leben heute in einer absoluten Wohlstandsgesellschaft. Alles ist immer und überall verfügbar. Und dennoch benehmen sich manche, wie bei einer Raubtierfütterung. Der Rang-und Hackordnung agierend. Anstand scheint nur selten vorhanden zu sein, Während sogar Maulwürfe darüber klagen, dass die Limbostange zu niedrig aufgesetzt wurde. Siehst Du auch, wie schwierig es scheint, dass Niveau nur annähernd auf dem von damals zu halten? Und wie wir selbst dazu beitragen können, dieses zu erlangen? Das ist die Kür.

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