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Am Ende des Regenbogens brennt noch Licht.

„Komm mal hier ans Fenster“, er machte eine einladende Handbewegung. Sein Chef stand auf und stellte sich neben ihn. „Was siehst Du?“ Draussen regnete es.

„Die Strasse. Menschen. Autos….“, erwiderte dieser gelangweilt.

„Und genau das ist der Unterschied zwischen uns.“ Fragend blickte ihn der Abteilungsleiter aus den Augenwinkeln an.

„Ich sehe dort den Bereich, an dem Deine Macht endet. Das ist der Ort, an dem Du niemandem Anweisungen geben, keine Aufgaben verteilen kannst, Weil Deine Position eben nur in diesem Gebäude eine Rolle spielt. Oder in anderen Gebäuden, die zur Firma gehören. Ich sehe dort Freiheit. Meine Freiheit“, und bevor sein Chef, der gerade nach Worten suchte, etwas sagen konnte, gab er ihm seine Zutrittskarte. „Mach‘s gut. War ne tolle Zeit, aber das hier ist nichts mehr für mich.“ Dann drehte er sich um und ging Richtung Tür. „Was glaubst Du wer Du bist? So einfach geht das nicht….“, echauffierte sich der Manager. „Doch. So einfach geht das. Nimm es nicht zu persönlich. Es ist, wie Du immer sagst ‚nur Business’. Und ich hab darauf keine Lust mehr.“

„Wenn Du jetzt gehst, dann…“, sein Kopf war hochrot geworden. Ohne die Drohung zu Ende anzuhören fiel er ihm in Wort: „Was dann?“

„…Deine Beurteilung wird schlecht ausfallen. Und wovon willst Du leben? Jeder braucht Geld.“

„Und vielleicht ist das überhaupt alles gar nicht wichtig.“ Bevor er nun gleich Worte hören würde, auf die er keine Lust hatte, öffnete er die Tür und ging hinaus. Er lief durch das Treppenhaus die paar Stockwerke hinab. Durch die Drehtür und aus dem Gebäude. Da war nun. Auf der Strasse. Zurück dort, von wo er vor knapp 30 Jahren gestartet war. Kurz überlegte er, wo er falsch abgebogen war. Aber letztendlich war das wohl egal. Denn hier und jetzt war er frei.

Der Regen hatte aufgehört und die Sonne schien durch die Wolken. Zauberte einen Regenbogen in den Himmel. Was wohl am Ende dort zu finden wäre? Neugierig machte er sich auf den Weg. Gemächlich. Wie eine alte Schildkröte. Deren Panzer bunt war. Gezeichnet vom Leben. Aber auch das war ihm egal. Am Ende des Regenbogens brannte noch Licht. Und wo Licht ist, da ist auch Leben.

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