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Auf Regen folgt meist Sonnenschein.

Sehr oft im Leben geschehen Ereignisse, die einem im Nachhinein unweigerlich denken lassen: „Was für eine Verschwendung an (eigner) Zeit und Ressourcen.“ Und schon findet man sich in einem nicht enden wollenden Strudel aus (Selbst-)Analysen, hätte/wenn-Szenarien und Selbstzweifeln wieder. Und ich glaube das „Strudel“ hier eine ziemliche treffende Bezeichnung ist. Denn letztendlich wird man einfach nur mitgerissen, nach unten. Irgendwo wo es dunkel ist. Dazu noch unkontrollierbar. Aus dem es schwer ist, wieder (alleine) rauszukommen. 

Das wir in derart Strudel geraten liegt an unserem Denkmuster. Eine erlernte Struktur. Zugegeben, nicht nur erlernt, denn wir tragen diese Fähigkeit bereits seit unserer Geburt in uns. Somit wäre es eher eine Ausprägung. Tatsächlich gehört es doch zu unseren ureigenen Eigenschaften, als Homo Sapiens, dass wir uns an Situationen erinnern. Zum Beispiel, um Gefahren beim nächsten Mal zu umgehen, sie vermeiden zu können. Aber Gefahren sind schon wieder so ein negatives Beispiel.

Positiv betrachtet merken wir uns ja auch Dinge, die uns gefallen. Die uns gut tun. An welchem Ort es schön war. Wie uns ein Glas Rotwein geschmeckt hat. Wie wohltuend die Berührung eines bestimmten Menschen uns getan hat. Merkwürdigerweise geraten wir dabei seltener in einen Strudel. Und sind nicht gefangen in stunden-, tagelangen Denkprozessen. Würde uns das nicht in einen Taumel ewiger Freude und Euphorie versetzen? Ein Lächeln, gar ein Dauergrinsen auf die Lippen zaubern? Uns strahlen lassen vor innerer Freude und Glück? Man stelle sich mal den allgemeinen Effekt vor, wenn man bereits früh morgens auf Menschen treffen würde, die alle freudig wären. Berauscht von all den guten Erinnerungen und Erfahrungen, die sie bereits erlebt und gemacht haben. 

Aber dem ist nicht so, nicht wahr!? Die meisten scheinen gestresst, genervt, getrieben von Zielen. Im ewigen Abwehrmodus festzustecken. Umhüllt von allen Sorgen und Problemen dieser Welt. Wie in einem Kokon. Aus der ein prachtvoller Schmetterling schlüpfen könnte. Seine Flügel ausbreitend der ganzen Welt die Farbenpracht des eigenen Ichs präsentieren würde. Und letztendlich frei davonflöge. 

Ich glaube, wir lernen nicht zu viel. Sondern einfach nur falsch. Wir ballern uns Wissen in den Kopf, um alteingebrachte Strukturen zu unterstützen. In dem Irrglauben, unsere Position in dieser Zahnradmaschinerie finden zu müssen. Um uns als zugehöriger Teil der Gesellschaft zu empfinden. In der wir einen Beitrag leisten. Was wir aber nicht lernen sind Soft Skills. Den Umgang mit Erlebtem. Erinnerungen. Den daraus resultierenden Emotionen. Wie oft wünschen wir uns etwas Trost, Verständnis für unsere Situation? Zuspruch, wenn etwas nicht funktioniert hat? Jemanden, der uns aufhilft, wenn es uns ziemlich hart gebeutelt hat? Woher kommt das? Es war Teil unserer Erziehung. Und die geben wir sogar weiter. 

Bereits in unseren ersten Lebensjahren machen wir meist die ersten Erfahrungen damit. Egal ob wir krank sind, oder uns nur ein Furz im Bauch umgeht, wir werden in den Arm genommen. Wir fallen von einer Schaukel, oder vom Rad. Weinen. Weil wir uns das Knie aufgeschlagen haben. Wir werden umsorgt. Verarztet. Jemand ist für uns da und fragt, was passiert ist. Wie das geschehen konnte. Das ist die Einleitung für uns. Nämlich darüber nachzudenken, was wir dafür getan haben in diese Situation zu kommen. Was wir hätten tun können, um sie zu vermeiden. In unserem Kopf bilden sich erste Denkmuster. Und wären wir zuvor noch unbeschwert mit dem Fahrrad den Hügel hinabgesaust, so sendet er uns ab jetzt Warnsignale. „Wenn Du da runter rast können folgende Dinge passieren: 1, 2, 3, 3.1, 3.2….usw.“ Diese begleiten uns unser Leben lang. Ebenso, wie wir immer weniger Lob und Wertschätzung entgegengebracht bekommen. Aber dies nur als Randnotiz, meinerseits.

Natürlich ist es gut Erfahrungen zu machen und daraus zu lernen. Risiken zu erkennen und deren Auswirkungen abwägen. Aber seit dem befinden wir uns quasi im Alarmmodus. Der dann vielleicht noch verstärkt wird. „Weisst Du noch was das letzte Mal passiert ist, als Du das und das gemacht hast? Willst du das wieder?“ Wir erinnern uns. An die schlechte Erfahrung. Und die Strukturen bauen sich weiter aus. Vertiefen sich.

Über die Jahre werden wir viele Erfahrungen machen. Rückschläge erleiden. Beruflich und privat. Manche Risiken werden wir falsch einschätzen. Zu unvermeidbaren Problemen führen. Und sie werden uns prägen. Unsere Denkmuster immer mehr bestimmen. Allerdings wird es im weiteren Verlauf nicht immer zwingend jemanden geben, der dann bei uns ist. Und da wir, auch wenn das zeitweise so den Anschein haben mag, nicht alleine auf diesem Planeten sind, beobachten wir dies auch bei anderen. 7 Milliarden Menschen. Und nur wenige sind tatsächlich glücklich. Was machen diese wenige eigentlich anders? 

Vermutlich gibt es nur sehr selten Menschen, die komplett sorgenfrei aufgewachsen sind. Unabhängig von ihrem sozialen Umfeld. Allerdings geht jeder Mensch mit Problemen und Sorgen anders um. Sicherlich trauern glückliche Menschen auch. Auch sie stossen auf Hindernisse, die ihr Leben in einer Form beeinflussen, die ihnen selbiges erschwert. Aber sie wissen auch, dass Schmerz, Wut und alles andere negative, nicht von Dauer sind. Und eben genau hier liegt der Unterschied. Vor ein paar Monaten hatte ich mal geschrieben, dass man bei jeder schönen Erinnerung unwillkürlich zu dem Augenblick kommt, an dem es schlecht wurde. Eine Geschichte böse endete. Nur sehr selten erinnern wir uns an den Zeitpunkt, wie es eigentlich zu dem Augenblick kam, an dem es gut anfing. Unser erlerntes Denkmuster blockiert quasi die umgekehrte Denkreihenfolge. Schon merkwürdig, nicht wahr? Und so wie man in der Meditation auch in die Stille, also den Augenblick in dem ein Geräusch aufhört, meditieren kann, so kann man sich auch bewusst machen, dass nach jedem schlechten Ereignis ein Gutes folgen wird. 

„Kinder, dies alles hat dazu geführt, dass ich Eure Mutter kennengelernt habe“, erklärt Ted Mosby, in einer bekannten Sitcom, seinen Kindern immer wieder. Alles Ereignisse machen uns zu dem Menschen, der wir sind. Unsere Persönlichkeit, inklusive unserer Art zu Denken, ist die Summe unserer Erfahrungen. Realistisch betrachtet ist also – bis auf ein paar wirklich heftige Ausnahmen – nichts eine tatsächliche Zeitverschwendung gewesen. Selbst wenn es kräftezehrend war. Denn zwischen all den schlimmen, üblen Dingen, die uns in unserem Leben passieren, geschieht eben auch viel Gutes. Wir müssten nur anfangen es so zu sehen. Ich glaube der Schöpfer des folgenden Satzes hat das bereits gewusst: „Nach Regen kommt meist Sonnenschein.“

Und sei ehrlich, wie gut geht es Dir gerade, nachdem Du diesen Blogeintrag gelesen hast?

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