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Biene(n) Sein.

Über mir schwirren die Bienen. Wie kleine Hubschrauber fliegen sie vor, zurück, senken die Höhe. Steigen wieder auf. Betrachten mich. Wie sie mich wohl sehen? Durch ihren Facettenblick.

Ich würde gerne wissen was sie denken. Denken Bienen überhaupt? Da bin ich mir tatsächlich nicht sicher. Fakt ist aber, dass Bienen extrem wichtig sind. Und geschützt werden müssen. Und diese Bienen hier sind super geschützt. Denn sie leben auf meinem Balkon. Im Attika. Oder besser gesagt: in einem Spalt in der Mauer. Einer Fuge. Die sie in mühevoller Kleinarbeit weiter ausgebaut haben.

Jeden Morgen, wenn sie dann aufgewacht sind, fliegen sie dort raus. Wie Basejumper stürzen sie sich todesmutig in die Tiefe und dann, kurz vor dem Geländer, die Flügel auszubreiten. Und ab geht die Lucy. Es geht hinaus und die Welt. Beneidenswert.

Manchmal frage ich mich, wie wohl der Tagesablauf von so einer Biene ausschaut. Der Radius ihres Fluggebietes ist relativ gross. Knapp 2 Kilometer. Beachtliche Distanz, bei einer durchschnittlichen Grösse von 1cm. Allerdings gibt es in der Umgebung viele Blumen und andere Pflanzen. Das derzeitige Überangebot muss berauschend wirken. Ob die Bienen das ebenso empfinden? Vielleicht messen sie dem ganzen gar keinen Wert bei. Sie wachen einfach auf, fliegen los. Und sammeln was sie tragen können. Bringen alles zurück in ihren Stock. Fliegen wieder los. Bis zum Abend.

Und dennoch ist ihr Leben nicht ganz stressfrei. Denn sie haben auch tatsächlich natürliche Feinde. Wespen zum Beispiel. Neulich kam mal eine vorbei. Anfänglich hatte ich das selbst gar nicht so wahrgenommen. Bis sie sich plötzlich mit einer Biene im Kampf befand. Es war kein langer, ausgeglichener Kampf. Denn kurze Zeit später flog die verteidigende Biene auf den Balkon. Und blieb liegen. Mit zerfetzten Flügeln. Während die Wespe enttäuscht davonflog. Sie hatte wohl zugestochen. Denn ihr Opfer zuckte noch, versuchte sich aufzurappeln. Und verharrte dann. Für immer. Was die Biene wohl dabei dachte? Ich schwankte zwischen „verdammter Mist, ich wurde getroffen. Doofer Tag.“ und „ich hab die anderen geschützt. Das war es wert.“ – sehr ehrenhaft. Wie ein Samurai. Und ich glaube genau das sind Bienen auch. Stolze Samurai, in einer straffen Hierarchie lebend. Die einerseits frei sind, umherfliegen. Eine Aufgabe haben, die für alle in ihrer Gemeinschaft einen Nutzen bringt. Gleichwohl können sie sich auf jeden in ihrer Struktur blind verlassen. Weil jeder bereit ist für die anderen sein Leben zu geben. Ohne darüber nachzudenken. Nicht darüber diskutieren. Sie tun es einfach. Bewundernswert.

Natürlich ist das Konzept der Samurai, samt deren blinden Gehorsam, längst überholt. Aber einfach tun, ohne grosse Worte, zum Wohle der Familie/Gemeinschaft, dass finde ich wirklich toll.

Dasein und da sein, jeden Tag sinnvoll nutzen. – das ist so eine herrliche Balance. Und ich frage mich, ob die Bienen das wissen.

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