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Boykott durch Bewertung

„Halloooo….wann möchtest Du aufwachen?“ Irritiert schaue ich Buddha an. „Aber ich bin doch wach.“

Er lächelt milde. „Du bist da. Aber nicht wach.“ Sein sanftmütiger Blick fixiert mich. War das ein Trick? Sicherheitshalber zwickte ich mich in die Hüfte. Ich war definitiv wach. „Wärst Du sicher das Du wach wärst, müsstest Du Dir nicht weh tun“, kicherte Buddha. Belustigt über meinen Selbstversuch. Ich wusste das er recht hatte.

Gerade hatte ich den gesamten Samstagvormittag wieder alles getan. Nur nicht das, was ich mir tatsächlich vorgenommen hatte. Das passierte mir in letzter Zeit öfter. Auch unter der Woche. Dabei nehme ich mir gar nicht so viel vor. Meine tägliche ToDo Liste enthält maximal 2 Punkte. Zwei. Und selbst die mache ich einfach nicht.

Nun ist es nicht so, als ob ich faul wäre. Tatsächlich bin ich sehr aktiv. Doch ich boykottiere mich selbst. Auf sehr subtile Weise. Denn um meine ToDo Liste nicht abarbeiten zu müssen, tue ich alles andere. Anstatt Sport zu machen gehe ich einkaufen. Nahrung. Die Zeit, die ich dafür eingeplant hatte den Studienbrief durchzuarbeiten, verbringe ich damit die Wohnung aufzuräumen. Und wenn ich damit fertig bin, dann sitze ich auf dem Sofa. Völlig groggy. Und ärgere mich darüber das ich mir für morgen nichts neues vornehmen kann. Weil die Punkte auf der ToDo Liste weiter bestehen bleiben. So prokrastiniere ich vor mich hin. Es gibt immer was zu tun. Was mich nicht weiterbringt.

Vor einem halben Jahr habe ich mir einen Stundenplan gemacht. Ja, lach nicht. Das ist nicht lustig. Einen Tagesablaufplan. Wie für ein Kind. Damals hatte ich mir fest vorgenommen, dieses Plan auf ein grosse Blatt Papier zu übertragen. Ganz ordentlich. Mit unterschiedlichen Farbkodierungen. Und jetzt kommt es: letzte Woche dann war ich in der Papetarie. Voller Enthusiasmus habe ich alles eingekauft, was ich benötige. 8 Blatt 65x60cm, 6 Buntstifte und 1 Lineal (70cm). Nun rate mal, was seit dieser Zeit noch immer daliegt, wo ich es abgelegt hatte. Genau.

Doch was hindert mich nun an der Umsetzung? Wer hindert mich daran? Eigentlich nur ich selbst. Doch wieso? Wenn ich über eine Antwort nachdenke, dann kommt mir immer wieder das selbe Wort in den Sinn: Struktur. Unmittelbar richteten sich mein Nackenhaare auf. Ich fühlte mich eingeengt, bei diesem Begriff.

Damals war die ursprüngliche Idee, meinem Leben selbst wieder eine Struktur zu geben. Eine neue. Nachdem es die alte weggeblasen hatte. Die war zu instabil. Daher wollte ich es nun in Stein meisseln. Oder zumindest aufschreiben. So, dass ich sie jeden Tag sehen würde. Und mich nicht in irgendetwas anderem verliere. Tatsächlich habe ich bereits vieles in meinen täglichen Ablauf übernommen. Routine. So wichtig. Trotzdem, ist es wichtiger das ich etwas tue? Oder wann ich etwas tue? Von 24 Stunden, die uns täglich zur Verfügung stehen, gehören 8-10 Stunden nicht uns selbst. Diese Zeit haben wir verkauft. Und weitere 6-8 Stunden gehen für unseren Schlaf drauf. Aus diesem Grund müssen wir unser Leben um diese Zeit herumbasteln. Es ist unsere freie Zeit. Frei zu sein bedeutet: ohne Zwang. Ohne Grenzen. Ohne Struktur.

„Selbstblockade im Reinformat“, murmelte ich.

„Allein das Du es erkennst zeigt doch aber dass Du es lösen kannst. Wie wäre es, die Struktur nicht zu bewerten? Schon gar nicht negativ!?“

„Sondern einfach nur wahrzunehmen und so zu sehen was sie ist?“

„Und was ist sie?“, dabei schaute Buddha mich mit leuchtenden Augen an.

„Hmm, eine Chance“, erwiderte ich.

Buddha machte eine schnelle Handbewegung, als ob er einen Ball werfen würde. Ich fing ihn auf. Und war wach.

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