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Die dunkle Seite des Mondes – ein Roman mit Tiefgang

In seinem Roman „Die dunkle Seite des Mondes“ schreibt der Zürcher Martin Suter über einen erfolgsgetriebenen Wirtschaftsanwalt (Urs Blank), der in seiner Midlife-Crisis eine Persönlichkeitsumwandlung durchläuft.

Was mich an dieser Geschichte so gefesselt hat ist die Tatsache, dass Urs Blank eigentlich alles erreicht hat. Zumindest wenn man sein Leben unter den Aspekten betrachtet, die wir in unserer Gesellschaft als „erstrebenswert“ erachten.

„Schau das Du einen guten Job bekommst, der vernünftig bezahlt wird. Dann wirst Du glücklich und kannst sorgenfrei leben.“

Doch Glück ist mehr. Der Beruf nur ein Teil, ein Pfeiler unseres Lebens. Ein Bestandteil. Und das vergessen die meisten.

Wir werden angespornt, durch Erfolg. Dem erreichen von Zielen. Wir entwickeln einen Ehrgeiz, welcher uns treibt. Im besten Fall vergessen wir dabei nicht zu leben. Im schlimmsten Fall jedoch….wird dieser Ehrgeiz zu unserem Lebensinhalt. Wir lassen uns treiben. Geniessen den Ritt auf den Wellen, die nie hoch genug sein können. Konsumieren Gadgets, sammeln Gegenstände, dafür umso weniger Momente. Vor allem die, die uns tatsächlich glücklich machen. Teilweise nehmen wir sie gar nicht mehr wahr, weil unser angetriebener Ehrgeiz in immer kürzeren Abständen das erfolgsverwöhnte Ego befriedigen möchte.

Bis wir am Ende womöglich die anderen Pfeiler (Gesundheit, Familie) beschädigen und/oder gar verlieren.

Als ich dieses Buch im Sommer gelesen habe faszinierte mich der Wandel des Hauptprotagonisten. Urs Blank stellt fest das seine Prioritäten weit weg waren von dem, was das Leben tatsächlich ausmacht. Anfänglich weiss er gar nicht was mit ihm los ist. Bis er sich dann plötzlich versteht, dass Leben tatsächlich mehr Facetten besitzt, als nur die Arbeit. Er begreift, dass Leben eben viel mehr ist. Das unser Planet so viel mehr zu bieten hat, was uns glücklich macht. Diese Unbeschwertheit des Lebens, die wir als Kinder besitzen, die wir uns aber über die Jahre abtrainieren, geht im Laufe der Zeit fast gänzlich verloren. Durch die Selbstkonditionierung in der Leistungsgesellschaft.

Glücklich werden wir aber nur dann, wenn wir wieder anfangen unser Leben zu geniessen und die Menschen, wie auch die Natur zu schätzen.

Natürlich kann man die Gesellschaft nicht (ver-)ändern. Man kann nur sich selbst verändern. Dabei geht es nicht darum sich zu belehren. Sondern einfach althergebrachte Muster für sich zu validieren, ggf. aufzubrechen und zu verändern.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: ich arbeite gern. Und ich mag meinen Beruf. Und ich habe lange daran gearbeitet und viel dafür getan, um mir einen Traum zu erfüllen. Sei es durch ein Studium, Einsatz und ein hohes Mass an Willen wie auch Motivation.

Nur haben sich dabei meine Prioritäten verlagert. Schleichend, fast unmerklich. Denn das Leben besteht aus mehr, als nur jeden Monat seine Miete und Rechnungen zu bezahlen. Arbeit ist ein fester Bestandteil des Lebens. Aber eben nicht alles.

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