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Die Menge macht Komplexität

Komplexität ist ein echter Giftfaktor für unser Leben. Mag sein das nur ich das so sehe. Dennoch war das, gerade die letzten Wochen, sehr gut zu beobachten. Bevor wir einsteigen, lass uns doch kurz klären was Komplexität bedeutet. Der Einfachheit halber nehme ich die Definition aus Wikipedia:

<Komplexität (lateinisch complexum, Partizip Perfekt von complecti „umschlingen“, „umfassen“ oder „zusammenfassen“[1]) bezeichnet das Verhalten eines Systems oder Modells, dessen viele Komponenten auf verschiedene Weise miteinander interagieren können, nur lokalen Regeln folgen und denen Instruktionen höherer Ebenen unbekannt sind.[2] Bei dem Begriff handelt es sich um ein Kompositum aus der Präposition lateinisch cum „mit“, oder „zusammen mit“ und plectere „flechten“ oder „ineinander fügen“[3] im Sinne von „verflochten“, „verwoben“.>

Meine Betrachtung bezieht sich auf diesen Planeten. Die Erde. Also global. Hiermit dürfte rasch deutlich werden, dass es eine Menge Faktoren gibt. Die unser Leben beeinflussen. Doch ist unser Leben tatsächlich so komplex geworden? Oder nehmen wir das nur verstärkt wahr? War das vor 100 Jahren ebenfalls so? Oder vor 40 Jahren? Vor 10?

Fun Fact: dieser Planet war schon immer komplex. Das Leben war, unabhängig der Epoche, ebenfalls mit einer gewissen Komplexität versehen. Und die Menschen haben das auch so wahrgenommen. Damals schon. Für einen Weizenbauern zu Zeiten des Alten Roms war das System sehr umfassend. Rom schien überall zu sein. Sein Leben war nicht „einfacher“.

Vergleichen wir es jedoch mit unserer Zeit heute, dann erscheint es uns womöglich relativ trivial. Erstrecht mit unserem heutigen Wissenstand. Wissen ist der wohl wichtigste Schlüsselfaktor in allen Systemen. So können wir Menschen Auswirkungen durch die Abholzung des Regenwalds, auf das Klima berechnen. Heute verstehen wir die Folgen von Vulkanausbrüchen. Und zwar weltweit. Wir erkennen Zusammenhänge, die Menschen im Mittelalter oder zu Zeiten des British Empire, nicht aufgefallen wären. Und in 100 Jahren lachen die Menschen womöglich über die Art, wie wir mit Pandemien umgegangen sind. Weil wir sie noch immer nicht in Gänze verstanden haben.

Hier kommt ein weiterer Faktor ins Spiel: unsere geistliche Beweglichkeit. Sie befähigt uns Zusammenhänge zu erkennen. Und zu eruieren. Diese menschliche Eigenschaft hatten bereits die Menschen in der Steinzeit. Ein Beleg dafür sind ihre Werkzeuge. Sowohl in der Konstruktion selbst, wie auch in der Verwendung. Beides zeigt das unsere Ur-Vorfahren durchaus in der Lage waren Zusammenhänge herzustellen. Basierend auf ihrem Wissensstand. Den haben wir Homo Sapiens über die Jahre weiter ausgebaut haben. Doch hätten Steinzeitmenschen auch ein Auto bauen können? Und Transaktionen am Finanzmarkt erläutern können, oder gar Naturkatastrophen? Nein. Sie besassen das Wissen noch nicht. Welches wir heute haben. Und gerade Naturereignisse wurden oftmals mit dem Wirken einer höheren Macht begründet. So entstand schlussendlich unser Glauben. Damit meine ich nicht irgendwelche speziellen Religionen. Sondern vielmehr Glauben in seiner Grundform. Als Basis für Religionen.

Nun haben wir Wissen, das Erkennen von Zusammenhängen und Glauben. Sicherlich gibt es noch unzählige Faktoren. Aber für diesen Blogbeitrag grenze ich diese partiell aus.

Zurück zur ursprünglichen Fragestellung: ist unsere Welt tatsächlich komplexer geworden? Oder nehmen wir sie nur so wahr?

Zu Frage 1 lautet meine Antwort: Nein. Die Welt ist nicht komplexer geworden.

Wir sehen uns mit einer Vielzahl an Informationen konfrontiert. Diese gilt es zu verarbeiten. Doch anstatt das wir dies tun, unserem Gehirn Ruhe gönnen, ballern wir es weiter zu. Mit noch mehr Information. Unermesslichem Wissensdurst. Unser Informationskomsum hat sich zu einer allgemeinen Sucht entwickelt. Noch mehr Wissen. Rastlos, mit dem Drang alles verstehen zu wollen. Immerhin sind wir vor 50 Jahren zum Mond geflogen. Haben uns Atomkraft zu Nutzen gemacht. Damals schon eine grossartige und beachtliche Leistung. Sowas kann nicht jeder.

Getrieben von solchen Erfolgen, saugen wir weiter Wissen auf. Ausgestattet mit mobilen Endgeräten, die die Rechenleistung der Computer übertrumpfen, welche bei der Mondlandung genutzt wurden. Doch wie viel Wissen können wir aufnehmen? Die Grösse unseres Gehirns ist einfach auch begrenzt. Und ich beziehe mich, dem Neurologen Barry Gordon sei Dank, nicht auf den 10%-Nutzungsmythos. Sondern auf das Gesamtvolumen. Wobei einzelne Regionen für die unterschiedlichsten Dinge und Funktionen genutzt werden.

Aber vergleichen wir unser Gehirn mit einem ebenso grossem, trockenen Schwamm, den wir in 5 Liter Wasser tauchen. Sehen wir das Wasser als Wissen an. Können wir diese 5 Liter tatsächlich damit aufsaugen? Schwierig. Um neues Wasser mit dem Schwamm aufzunehmen müssen wir ihn auswringen. Da er aber bereits nass ist, werden wir bei einem erneuten Eintauchen weniger Flüssigkeit aufsaugen. Und eben genau so ist es mit Wissen. Informationen. Eine wahre Flut an Headline-Geballer. Mails. Nachrichten. Teils kompletten Nonsens. In allen Bereichen. Aus den unterschiedlichsten Quellen. Meist ohne zu selektieren. Als druff. Dabei vergessen wir mitunter zu validieren. Den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Gerade wenn uns etwas als nur zu logisch erscheint. Und zur Tatsache erklärt wird. Geprägt von unserem Leben, Erlebtem, unserem Wissenstand, auch wie wir Dinge verstehen, ergibt sich ein Bild. Erschliessen sich Zusammenhänge. Ganz individuell. Abgeglichen mit unserer eigenen Wahrheit. Und daran glauben wir dann. Ganz felsenfest. Überzeugt.

Daher lautet meine Antwort zu Frage 2: Ja. Wir nehmen die Komplexität verstärkter wahr.

Zusätzlich sind wir nur wenig bestrebt uns dieser Komplexität zu entledigen. Wir verstärken sie sogar noch. Vor ein paar Jahren habe ich in einem Buch [sinngemäss] folgende Aussage gelesen und hier publiziert:

<Unser Gehirn ist eine Landkarte, die sich bis zu einem gewissen Grad, an die bestehende Landschaft (die äusseren Gegebenheiten) anpassen kann. Doch irgendwann kann sie sich nicht mehr anpassen und bekommt hier nen Knick, da nen Riss. Bis sie irgendwann völlig zerfledert und zerknüllt ist und sich mit einem lauten Knall, neu entfaltet. >

Und auch an meiner Schlussfolgerung hat sich seit damals nichts geändert:

< Und da das Leben nicht immer glatt läuft und es mitunter mal durch Täler und auch mal über Berge geht, sollte man eine Landschaft wählen, die zu seiner Karte passt.

Das ist bei jedem Menschen individuell. >

Gönn Deinem „Schwamm“ eine Pause, um zu trocknen. Deinem Kopf. Gönn Dir eine Pause. Zum verarbeiten. Für mehr Ruhe im Geist. Und zur Entgiftung. Dann hast Du auch wieder mehr Raum. Zur eigenen Entfaltung.

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