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Es begann mit einem Buch

Anfang 2019 lenkte jemand meine Aufmerksamkeit auf die Bücher von Yuval Noah Harari. Sicher, ich hatte ‚Homo Deus‘ bereits wahrgenommen. In den meisten Buchläden waren seine Bücher gut sichtbar ausgestellt. Aber Mainstream ist einfach nicht meins. Weswegen ich mich bewusst gegen eine Kauf entschied.

Doch dann war dieses eine Gespräch. Zufällig. Mit meiner ehemaligen Nachbarin. Irgendwann morgens. Als wir uns im Treppenhaus begegneten und auf dem Weg zu Bus liefen. Wir sprachen über Bücher. Schriftsteller. Murakami. Über seine wunderbare Art zu schreiben. Bis sie irgendwann sagte: „Von Murakami habe ich alle gelesen. Derzeit lese ich Harari. Kennst Du ‚Homo Deus‘ schon?“ Ich verneinte und sie fing an zu erzählen.

Wir unterhielten uns knapp 20 Minuten. Und eine Stunde später hatte ich das Hörbuch auf meinem Handy geladen.

Es gibt eine Menge Bücher die ich gut finde. Und sogar ein paar die mich eine lange Zeit beschäftigt haben. Doch nur ganz wenige haben es in meine persönliche „Must have read“ Liste geschafft. „Die Wolke“ von Gudrun Pausewang. Die Tagebücher der Anne Frank“. Oder „So zärtlich war Suleyken“, geschrieben (und gelesen) von Siegfried Lenz. Auch „Der Pirat“ von Stefan Aust. Sie alle begleiten mich seit meiner Schulzeit. Und die ist, zugegeben, schon eine Weile her. Doch sind wir nicht alle Schüler des Lebens? Und werden es wohl auch bis zum Ende bleiben?

Und wer lehrt uns? Wer zeigt uns Zusammenhänge auf? Erklärt sie uns?

Das müssen wir entscheiden. Und mein Entscheid fiel auf Harari. Tatsächlich habe ich alle Bücher von ihm verschlungen. Und im Anschluss nochmal ‚Homo Deus‘ gehört. Das hat in mir so viele Schalter ungelegt. Es war unglaublich. Ich sah klarer. Verstand besser.

In seinen Büchern verweist er immer wieder auf ein weiteres. „Schöne neue Welt“, geschrieben von Aldous Huxley. Das Buch wurde 1932 verfasst. Und ich kannte es tatsächlich noch nicht. Es handelt von einer totalitären Diktatur, die Stabilität, Frieden und Freiheit verspricht. Was für ein erschreckendes Szenario. Eine Diktatur?! Mir wurde ziemlich schnell bewusst, was ich nicht möchte. Aber auch, auf welchem Pfad wir, die Menschheit, gerade wandeln.

Worte sind ein mächtiges Werkzeug. Das dürfte so ziemlich jedem vernünftigen Menschen bewusst sein. Spätestens seit den Demagogen des 3. Reichs wissen wie auch, was Worte in Menschen auslösen. Zu welch grausamen Taten sie fähig sind. Sich bekräftigt und befähigt sehen. Und heute? Seit Web 2.0 erleben wir diesen Wahnsinn erneut. Steuern gerade darauf zu. Diesmal global. Weltumspannend. Durch die Vernetzung.

Doch was in die eine Richtung funktioniert, dass kann auch in die andere klappen. Robert Habeck (be-)schreibt dies in seinem Buch „Wer wir sein könnten“. Denn: Gedanken werden zu Worte. Worte werden zu Taten. Mein Kopf roulierte. Nach alledem. Ich beschloss etwas zu ändern. Und zwar mein Mindset. Nur wie?

Zur Ruhe kam ich mit Eckhart Tolle. Ganze Abende und viele Wochenenden sass ich da. Lauschte seinen Vorträgen. Und Stück für Stück veränderte sich meine Denkweise. Ich fing an, meine Verhaltensmuster zu hinterfragen. Reaktionen zu analysieren. Auslöser für die unterschiedlichsten Emotionen zu identifizieren. Mir wurden so viele Dinge mit einem Mal sehr bewusst. Ganze Strukturen brachen auf. Neue Wege wurden sichtbar. Und ich entschloss mich, diese auch zu gehen. Doch das war nicht wirklich so einfach, wie es nun den Anschein vermitteln mag. Denn neben all dem Denken, den Überlegungen im Innenren, gibt es ja auch noch das Aussen. Und war ich bisher voller Zuversicht, einen guten Weg eingeschlagen zu haben, schlug es ein. Gesundheitlich. Mitunter auch beruflich. Aber vor allem privat. Unvermittelt. Mit einer massiven Wucht. Ich glaubte tatsächlich ich würde nie wieder Land sehen. Und absaufen. In diesem Meer voll Wahnsinn.

Ohne meine geänderte Denkweise, der inneren Veränderung, hätte ich mich dem allem wohl gedankenlos hingegeben. Doch so fand ich einen Weg. Durch eine wirklich sehr schwierige Zeit. Und das Gespräch, das ich Anfang des Jahres führte, sehe ich heute als ein riesiges Geschenk an. 20 Minuten, die mein Leben so positiv beeinflusst haben. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Nachtrag: im übrigen wäre ich aus heutiger Sicht froh gewesen, ich hätte mich gleich nach dem Erscheinen von ‚Homo Deus‘ zu einem Kauf durchgerungen. Mittlerweile habe ich das Buch bereits 3 Mal verschenkt. Und ich hoffe sehr das es bei diesen Menschen einen ähnlichen Effekt hatte, wie bei mir. Nicht weil sie es nötig hätten sich zu verändern. Nein, sondern weil es eben so viel positives in Gang gebracht hat. Und wieso sollte ich etwas Gutes nicht mit anderen teilen wollen?

2 Kommentare

  1. Lieber kritikverloren,
    das war so etwas wie Gedankenübertragung. Ich bin gerade am Ausmisten und finde dabei eine Sachbuch Bestenliste vom Januar. Darin sind ein paar Bücher, die ich gerne lesen möchte. Nebenbei stolpere ich über deinen Buchtipp. Harari muss ich auch unbedingt lesen. hört sich sehr interessant an. Danke dafür. Murakami mag ich auch und Huxleys „Schöne neue Welt“ liegt hier im Regal. Ich habe es irgendwann mal geschenkt bekommen und immer noch nicht gelesen. Das hole ich jetzt nach. Das letzte Buch, das mich sehr beeindruckt hat, war von Joe Dispenza „werde übernatürlich“ und ich bin der Schenkenden bis heute dankbar.
    Dir einen wunderbaren Abend. Liebe Grüße Moni

    • Sali Moni,
      ja, unbedingt lesen. Das Buch ist super.
      „Werde übernatürlich“ war übrigens auch so ein Buch, dass ich bewusst nicht nicht erworben habe. Aufgrund des Titels. Du würdest es aber dennoch empfehlen? *stöbert rum

      Liebe Grüsse aus der Schweiz
      Kritikverloren

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