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Fotoprojekt „Maske auf“ – Teil 1: eine Idee reift

Stell Dir vor, Du machst einen Online Fotografie Kurs. Bestehend aus einer Anzahl Modulen. Zum Abschluss eines jeden Moduls sollen Fotos eingereicht werden. Portraits vielleicht. Inmitten einer weltweiten Pandemie. Und Du sitzt irgendwo, weit weg. Allein im Ausland. Was tust Du? 

Tatsächlich war ich vor ein paar Wochen mit diesem Problem konfrontiert. Doch was sich daraus entwickelte war grandios. Und manchmal bin ich durchaus überrascht (auch über mich), nämlich darüber wie kreativ man plötzlich werden kann. 

Wer hätte gedacht das es so super schwierig ist, eben genau diese Minion-Figuren zu erwerben? Was habe ich mir in Züri die Hacken abgelaufen – Wahnsinn. Sogar im örtlichen GameStore fand ich keine. Also entschied ich mich für Figuren der Comic-Serie „One Piece“. Schön finster, grimmig dreinschauende Blicke……Moment…..noch während dem Kauf der Figuren kam mir eine Idee: wieso nicht ein Projekt starten? Immerhin haben wir Pandemie. Nur wenige Menschen gehen raus. Mancherorts gibt es Ausgangssperren. Und sind wir mal ehrlich, egal auf welcher Seite man gerade steht, diese Ganze Pandemie-Lockdown-KeinImpfstoffverfügbar-Geschichte wird langsam aber sicher für mehr und mehr Menschen zur psychischen Dauerbelastung. Und bei all denn einstigen Vorteilen die das HomeOffice bisher hatte, nur arbeiten, aber ohne kulturellen Ausgleich, das kann es einfach auch nicht sein. 

Auf Instagram folge ich seit geraumer Zeit ein paar Accounts, die Minions fotografieren. Mit herrlichem Bokeh. Ich liebe Bokeh-Fotografie. Knackig, scharfe Motive mit weichen Hintergründen. Grossartig. Minions, die kleinen gelben Helfer des Bösewichts ,Gru’ sind ebenfalls toll. Warum also nicht? Ausserdem, was wäre wenn wir in der Schweiz wieder in den Lockdown gehen würden? Was würde ich dann zu Hause fotografieren? Die weisse Wand? Sicherlich nicht.

Kurzerhand verpasste ich ;Captain Monkey’ und dem anderen Spiessgesellen Masken. Und platzierte die Figuren an verschiedenen Orten auf der Strasse. Abends. Um sie zu fotografieren. 


Normalerweise achte ich darauf, dass ich meine Fotografien im Light Room so wenig wie möglich verändere. Im Rahmen meiner Achtsamkeitsübung ist es mir wichtiger das ich vorneweg die korrekten Einstellungen wähle, auf die angewandte Technik achte und gut fotografiere. Aber für dieses Projekt sollte alles ausschauen wie aus einem Guss. Ein Brand. Unverkennbare Wiedererkennung eben. 

So stellte ich sie online. In verschiedenen Netzwerken. Manche verschickte ich. Und auch sonst kamen die Fotos gut an. 

Dennoch ließen mich die Minions nicht los. Es musste doch…..und es war möglich. Tatsächlich fand ich mehrere Figuren im Sortiment eines Online-Händlers. Und ein paar Tage später in meiner Postbox. Selbstverständlich bekamen auch diese Figuren Masken. Und in mir reifte dabei die Idee für einen Plot Twist. Aber dazu im nachfolgenden Blockbeitrag. 

Fortan begleiteten mich die Minions überall hin. Platziert wurden sie vor Gebäuden, Plätzen, auf der Strasse. Ich machte ein Foto nach dem anderen. Was ich spannend fand waren dabei die Reaktionen der Menschen um mich herum. Manche blieben interessiert stehen. Schauten zu. Kinder zeigten begeistert auf die Figuren. Und selbst wenn manche irritiert schauten, so lächelnden die meisten. Und genau das war es, was mir Freude bereitete. Denn, ich erwähnte es bereits: WIR haben eine Pandemie. Und derzeit ist einfach wenig lustig. Noch weniger bunt. Und vermutlich haben die Menschen mit Masse einfach nur Sorgen. Vielleicht sogar Ängste. Und dann kniet, sitzt, kauert einer auf dem Boden rum und macht Fotos von Spielzeugfiguren.

Wenn ich so nur einen Menschen damit den Tag erhellt hatte, dann hatte ich schon Gutes getan. 

Das Projekt lief. Dabei hatte ich auch viel Zeit mich mit mir auseinanderzusetzen. Mir selbst darüber im Klaren zu werden, wie kräftezehrend dieser globale Zustand auch für mich ist. Wie ich mit Nachrichten rund um das Thema Covid19/Corona umgehe. Und wie andere damit umgehen. Einige gehen nämlich demonstrieren. Querdenker. Mit wilden Thesen um sich schwingend. Und all das hat doch etwas von dem Wunsch nach Anarchie. So wie der ,Joker’ aus Batman. Arthur Fleck. Den, den niemand wirklich sah. Wahrnahm. Und der, aus Einsamkeit, seinen eignen Hirngespinsten erlag.

Mehr zu diesem Projekt in Teil 2

 

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