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Gedankengang

Jetzt wäre ich doch fast schon wieder gestolpert. Weil ich mir selbst im Weg rumstehe. Sowas passiert mir ständig. Und diese Woche hatte ich genug Zeit dem Ganzen auf den Grund zu gehen.

Da wäre also meine Zielsetzung. Allein dieses Wort ist schon so negativ behaftet, es ist nicht auszuhalten. Im Grunde genommen sollte es um leben gehen. Und sicherlich kann man dies irgendwie gestalten. Jeder Mensch hat vermutlich Wünsche, Träume, Visionen, die er/sie realisieren möchte. Ganz bewusst. Völlig legitim. Aber wir neigen wirklich zu extremem Benchmarking. Vergleich hier, Vergleich dort. Hätte, würde, könnte….. „NERV MICH NICHT!“, schreit mein Kopf ganz laut.

Also setze ich mich hin, meditiere. Meditation hilft immer. Gerade jetzt.

Mein Lieblingsmudra dabei ist derzeit der Stinkefinger. Dabei ballt man die Hand zu einer Faust (um Wut und alle anderen dämlichen Gefühle zu umschliessen), legt beide Fäuste mit dem Handrücken auf den Knien ab und streckt dann die Mittelfinger im 90 Gradwinkel nach oben. Um die Energie abzuleiten. Währenddessen wiederholt man lächelnd das Mantra „F**k you!“ 100x hintereinander. Gegen Ende hin klingt das Mantra völlig sinnlos. Und alle Sorgen und Wut über Ziele sind wie weggeblasen. Grrrrrrinsekatze.

So. Jetzt wieder sortiert: Ziele sind gut und schön. Unser Körper schüttet eine Menge Glücksgefühle aus, wenn wir sie erreichen. Aber der Weg dahin kann steinig, unwegsam sein. Es liegt an uns selbst wie wir das gestalten. Mag man eher einen weichen Boden, dann bieten sich ganz viele kleine Ziele an. Man läuft wie auf Sand. Und ebenso langsam. Wer es gerne etwas holpriger, aber dafür fester möchte, dem sind mittelgrosse Ziele bestimmt sympathisch. Für Profis reicht vermutlich nur eine Zielvorgabe, querfeldein und den 2‘oooer hoch. Ein Klacks.

Was macht es aber so schwer bei all den Zielen? Genau, die Art wie wir sie erreichen. Sicherlich geht es zeitweise locker flockig, aber je näher der Termin kommt um so rücksichtsloser wird man. In meinem Fall werde ich rücksichtslos zu mir selbst. Sind ja meine Ziele. Meine Deadlines. Was tun? Verschieben kann ich manches einfach nicht. Aufschieben erzeugt nur neuen Druck. Nur eben nachgelagerten. Also effizienter werden. Innerlich rempelt meine sonst so entspannte Seele mit meinem beruflichen Ich zusammen. Absichtlich. „Es geht um leben! Dein Leben!“

Über Jahre habe ich mich selbst konditioniert. Aufgabe, Ziel, Lösungssuche. Möglichst effizient und nachhaltig. Beruflich ok, aber sonst? Ich hab mir selbst privat so viel Verantwortung übertragen (lassen), dass ich heute schon gestresst bin, wenn ich nur daran denke wie viel Verantwortung es wohl mit sich bringt eine Katze zu versorgen. Am liebsten würde ich 1 Jahr einfach irgendwo in einer Hängematte liegen und Hörbücher konsumieren. Oder einfach nur das Meer rauschen hören. Wieso mache ich das eigentlich nicht? Wäre doch auch leben. Und vermutlich auch sehr entspannend. Geht aber nicht.

Knifflig. Und dabei möchte ich nichtmal zum Mars fliegen. Vielleicht bin ich mir gegenüber einfach zu hart. Zu streng. Ich sollte mein Leben leichter nehmen. Achtsamer. Mein Augenmerk noch mehr auf den Augenblick richten. Denn tatsächlich gibt es gerade, jetzt, im Augenblick, nichts zu tun. Keine Sorgen. Keine Probleme. Nur eine Menge Emotionen zu beobachten.

Und irgendwann bekomme ich dann ein Burnout, vor lauter Achtsamkeit. Tja, das wäre dann aber dumm gelaufen.

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