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Genügsamkeit ist kein Label

Wozu ist Minimalismus eigentlich gut? – Diese Frage musste ich tatsächlich in einer Diskussion beantworten. Und sie ist durchaus valide. Zeugt sie doch davon, das nicht nicht allen Menschen bewusst ist, in welchem Überfluss wir leben. 

Ging mir bis vor einiger Zeit noch ähnlich. Klar hatte ich schon von Minimalismus gehört. Mitunter auch eine Doku geschaut. Doch bis dato war Minimalismus für mich eher ein schlichter Lebensstil. Klare Linien. Eher steril. Und teuer. Ein schwerer Irrtum.

Gelebter Minimalismius bedeutet auch nicht, sich nichts mehr zu kaufen. Gar zu leben wie im Kloster. Nein. Vielmehr handelt es sich um eine Einstellung. Zum Leben. Zum Konsum. Zu unserem Kaufverhalten. Und dem Nutzen. Dem der erworbenen Produkte. 

Unser Konsumverhalten ist massiv getrieben von Werbungen. Lifestyle-Produkten. Sogar Nahrung. Exklusivität für alle. Jederzeit. Auch sonntags. Dieses Verlangen spielt einem zweiten Treiber in die Hände. Dem Finanzwesen. Denn, wir leben in einer Kreditgesellschaft. Geld ist einfach zu bekommen. Tatsächlich. So gibt es zum Beispiel gibt es eine Kreditkarte über ein Flugreiseportal. Bezahlt man hier kontinuierlich seine Raten, wird der gewährte Kreditrahmen erhöht. Automatisch. Immer weiter. Ungefragt. 

Wir verballern unser sauer verdientes Geld regelrecht. Sogar das, welches wir in der Zukunft verdienen werden. Hoffentlich. Für Dinge, die wir mitunter nicht wirklich benötigen. Nur um mit dabei zu sein. Gegebenenfalls noch ein schickes Insta-Bild dazu. Um uns über die Likes von Fremden bestätigen zu lassen, das dem auch tatsächlich so ist. Fertig ist der hausgemachte Wahnsinn. 

Über die Folgen für die Umwelt machen wir uns keine Gedanken. Wieso auch? Sollen die anderen doch erstmal. Und wenn die es nicht tun: warum dann ich? Ausgerechnet ich?! Ich bin doch das kleinste Element in dieser Kette. Genau.

Das dabei regelmässig Menschen in fremden Ländern sterben: was geht es mich an? Ich bin ja nicht für die dortigen Brand-und Arbeitsschutzbedingungen zuständig. Ebenso wenig wie für die Arbeitsbedingungen. Die teilweise so schlecht sind, dass sich Produktionsangestellte vom Dach des Firmensitzes stürzen. Da regen wir uns lieber über die schlechte Kamera des 1000 Stutz-Smartphones auf. Und kaufen uns dazu noch ein anderes. Bessere Kamera. Und mehr Apps. Eben. Das wir dabei Daten an Silicon Valley Unternehmen übermitteln: egal. Noch mehr Werbung. Für Produkte, die wir besitzen sollen.

Sie merken wo das hinführt? Richtig: die Kette lässt sich beliebig weiterführen. Und die Elemente können untereinander sogar verknüpft werden. Wenn jeder High-End Geräte und Bio haben möchte, sehen sich Firmen gezwungen anderswo zu sparen. Sei es an Löhnen, Schutzmassnahmen, etc. Leider wird der Aspekt des Umweltschutzes mit Masse völlig ausser acht gelassen. Sehr gut zu beobachten in China und Indien. Dort werden seit Jahren ganze Landstriche verseucht. Unter anderem zum Wohle der Konsumenten in unseren Breitengraden. 

Was uns dabei tatsächlich klar werden sollte ist folgendes: wenn alles mit allem zusammenhängt, dann hat jeder einzelne Kaufentscheid massive Auswirkungen auf das gesamte System. Wirtschaftlich und ökologisch. Unter diesem Aspekt ist Genügsamkeit also gar nicht so dusselig. central-embassy-498560_1920

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