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Globale Beziehungen

Meine Arbeitstage fangen derzeit um 5h morgens an. Chatten mit Amerika, Mailverkehr mit Asien, Telefonate mit Kollegen in der Schweiz…ich könnte diese Liste endlos fortführen. 80% meines Arbeitsleben findet in der virtuellen Realität statt. Und so futuristisch das tönt: es ist tatsächlich real. Bis zum Feierabend.

Manche Kollegen habe ich noch nie im echten Leben getroffen, andere wiederum schon, wieder andere werde ich vermutlich nie persönlich kennenlernen.

Und dennoch, man lernt sich kennen, tauscht sich aus. Die Kommunikation wird persönlicher, aber nicht zu privat. Distanz wahren und mit Bedacht die richtigen Worte wählen erfordert ein gesundes Mass an Professionalität. Aber auch an Disziplin und Achtsamkeit.

Sicherlich ist das nicht jedermanns Ding. Vielen Menschen wäre das zu unpersönlich. Zu wenig soziale Bindung. Dennoch passt das für mich. Ich empfinde diese Art zu arbeiten als sehr angenehm. Ich bin fokussierter, weniger abgelenkt. Schaffe mein Pensum und die Extrameilen, oder die Peaks.

1 Mal die Woche fahre ich ins Büro. Dort finden dann natürlich persönliche Gespräche statt. Abstimmungen, Fragen erörtern, auch freundschaftliche Gespräche. Ab und an trifft man sich zum Essen. Nach Feierabend.

Würde ich das privat ebenso haben wollen? Die Antwort ist einfach: nein, nicht mehr.

Ein Mensch braucht soziale Kontakte. Nähe, Geborgenheit, im besten Fall auch Liebe und die Wärme eines anderen Menschen. Die virtuelle Realität mag im Arbeitsalltag funktionieren. Für Beziehungen kann sie, auf längere Zeit, pures Gift sein.

Mal eben, während man an der Supermarktkasse ansteht, einen Messenger Chat starten. Der Chat wird sich auf der Zeitachse vermutlich episch lange hinziehen. Oder etwas in den sozialen Netzwerken posten: auch hier finden „scheinbar“ Gespräche statt. Schaltet man sein Endgerät aus, dann ist da niemand mehr. Man ist plötzlich allein auf diesem Planeten.

Richtig ernsthafte Themen gehen somit meist unter. Zwischen Freunden, aber auch gerade in Beziehungen. Ich persönlich finde das sehr schade.

So global unser Leben ist, so (zeitlich) kurz selbst grössere Distanzen überwunden werden können, so schön ist auch das Gefühl das da noch jemand ist.

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