Permalink

1

Halb stark. Ganz schwach.

Ziemlich leger wie Franky sich da in den Sitz lümmelte. Die Füsse auf das Sitzpolster gelegt. Alles was er so tat und sagte fand bei Angelo Anklang. Gerade erzählte er ihm wie sie letzten Samstag „einen frisch gemacht“ hatten. Direkt vor dem Parkplatz der Diskothek. Zusammen mit Olle und noch nem anderen Typ hatten sie sich in der WG „ein paar Lines Feinstes reingezogen, War sehr cool“. Danach, so gegen 21h, seien sie dann mit Olles Golf GTI nach F-Town gefahren. Und dort hatte Olle dann einem Strassendealer sein „Material“ abgezogen. „Das war cool. Der wollte sich wehren, Da hab ich ihm eine geballert. Voll cool wie der abgeschmiert ist“, prahlte Franky. Und schilderte dann im Detail wie sie zu Dritt das „Opfer“ vermöbelten. Fasziniert hörte Angelo zu.

F-Town war, dass wusste Angelo ganz genau, das Synonym für Frankfurt. Früher hatte Franky immer ‚Mainhatten‘ dazu gesagt. Weil die Skyline aussah wie die in New York.

Aber seit heute sagte er es nicht mehr. Seit just diesem Augenblick war ‚Mainhatten‘ out. Und Frankfurt hieß nun ‚F-Town‘. Gesprochen ‚Eff-Taun‘. Angelo registriere das. Und prägte sich den Wortlaut genau ein. Er wollte Franky nicht unnötig provozieren, indem er ein falsches Wort oder einen uncoolen Ausdruck benutzte. Denn sowas konnte schnell passieren. Aber dann war richtig Alarm angesagt. Einmal, so erinnerte sich Angelo, hatte Franky einem Typen einfach so eine gescheuert. Mitten im Jugendtreff Cafe. Weil der behauptete hatte, das ‚cool‘ jetzt ‚fresh‘ heissen würde. Franky, der in jedem zweiten Satz ‚cool‘ sagte, klatschte dem Kerl direkt Eine. Es gab einen ziemlich lauten Knall. So das der andere vom Stuhl flog. Nur ein paar stabile Jungs konnten ihn festhalten, als er aufsprang und sich gerade auf den heulenden Typ am Boden stürzen wollte.

Ja Mensch, der Franky, das war schon ein ganz Harter. Ihm war das Alter und die Grösse seiner Gegner egal. Allerdings gab es kaum ältere oder grössere Gegner, weswegen es meist irgendwelche aus der 7., oder 8. Klasse erwischte. Aber er war fair. Jeden Morgen vor der ‚Penne‘ suchte er sich einen anderen aus. Dem er das Leben an diesem Tag schwer machte. So war Franky eben. Hart aber fair. Und alle bekamen eine Chance. Auch die, zuerst zuzuschlagen. Aber das traute sich eigentlich niemand. Ausser einmal. Der Eine aus der Realschule. Der hat ihm eine geboxt. Voll auf‘s Kinn. Doch Franky war eben cool. Er schaute den Jüngeren lächelnd an und meinte nur: „Du hast mich echt geschlagen? Jetzt muss ich mich verteidigen.“ Doch bevor er ausholen konnte kam die Pausenaufsicht dazu. Und so musst die Verteidigung warten. Mittags auf dem Bolzplatz dann hat es geknallt. Mehrmals. Seit diesem Tag nahm niemand mehr die Chance wahr zuerst zuzuschlagen bei Franky. Er war eben der König.

„Fahrscheinkontrolle. Und Du Bursche, nimm mal die Füsse vom Polster. Da wollen sich noch Leute hinsetzen“, ertönte eine Stimme. Hastig nahm Franky seine Schuhe vom Sitz gegenüber und richtete sich auf. „Ich hab meinen Fahrschein verloren“, faselte er, dabei hastig seine Taschen durchsuchend. „Na dann komm mal mit. Wir steigen nächste Station aus. Dann nehmen wir Deine Personalien auf.“ Wiederwillig folgte Franky dem Kontrolleur. Dabei warf er Angelo, der seine Monatskarte vorgezeigt hatte, einen giftigen Blick zu. Und der wusste, er hatte für alle Zeiten bei dem siebzehnjährigen Schläger verschissen. Das er weiterfahren durfte und der König nicht, dass würde der ihm niemals durchgehen lassen. Gleich heute Abend würde er seine Eltern fragen, ob sie aus Hanau wegziehen würden. Zumindest in ein anderes Viertel. Oder ob sie ihn auf eine andere Schule schicken würden. Sonst würde er die Zeit bis zum Abschluss wohl nicht überleben.

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.