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Im Interview mit mir selbst

Es ist ein lauer Nachmittag als ich mich, Kritikverloren, zum Interview im Café Zehntenhaus treffe. Ich bestelle mir einen Kaffee und zücke den Notizblock.

„Hallo, schön das Du Dir die Zeit genommen hast.“

Freundliches Nicken. Kritikverloren sitzt entspannt in einem der Korbstühle. Neugierig, wartend.

„Was bedeutet für Dich das Schreiben?“

„Nun, das bedeutet: den Kopf frei zu bekommen. Diesen ganzen Lärm an Gedanken, der mich seit jeher begleitet, irgendwie zu sortieren. Und rauszulassen.“

„Damit Du ein Thema abhaken kannst?“

„Nicht ganz. Durchaus gibt es Dinge, über die schreibe ich und dann sind sie weg. Dann habe ich mich davon befreit. Oder wie Du es bezeichnest ,abgehakt‘. Aber es gibt auch einige Themen, die mich länger beschäftigen. Sei es, weil ich sie gut finde. Oder weil es eben bei mir gerade Phase ist.“

„Du schreibst viel über Achtsamkeit und Strukturen. Aber Du beschreibst auch einen Weg. Wie kommt das?“

„Nun, der Weg ist eben der der Achtsamkeit. Etwas, was ich heuer oftmals vermisse. Auch bei meinen Mitmenschen. Im allgemeinen Umgang. Aber auch bei Tätigkeiten. Und Strukturen….das ist wohl (m)ein Lebensthema.“

„Achtsamkeit ist heutzutage ja so ein BuzzWord. Daher lass uns doch bitte näher auf Strukturen eingehen. Was genau beschäftigt Dich hierbei so?“

„Gerne. Strukturen sind mannigfaltig. Wir begegnen Ihnen jeden Tag, auf so viele unterschiedliche Arten. Sei es denen, die wir als Denkmuster entwickelt haben. Also die Bahnen, in denen wir unsere Gedanken lenken. In Form von Objekten nehmen wir sie visualisiert wahr. Wir erleben sie aber auch im Alltag. Sei es in Firmen, Organisationen, oder ganz allgemein in einer Gemeinschaft. Der Gesellschaft in der wir leben.“

„Klingt beklemmend.“

„Tatsächlich empfinde ich mitunter auch so. Nicht alle Strukturen sind gut. Daher suche ich nach Wegen sie aufzubrechen.“

„Du hast Dich viele Jahre mit Abläufen und Prozessanalysen beschäftigt. Rührt Dein Interesse daran vielleicht daher?“

„Bedingt. Zum einen unterscheide ich sehr zwischen beruflich und privat. Aber das Wissen und die Erfahrung lässt sich ausserhalb des Jobs auch nicht einfach ausknipsen. Hinzu kommt, dass ich privat eher gerne chaotisch bin. Frei von Zwängen und auferlegter Verantwortung.“

„Dafür ist Dein Leben aber ganz schön durchgetaktet.“

„Ich sage auch nicht, dass ich Strukturen grundsätzlich nicht gut finde. Wenn Du Dich jedoch im freien Fall ins Bodenlose befindest, dann ist eine gewisse Form von Halt extrem hilfreich. Sei es als Seil, oder ein Ziel, an dem Du Dich festhalten kannst.“

„Daher der Stundenplan….“

„…den ich noch immer nicht zu Papier gebracht habe und daher weiter in meinem Kopf existiert. Ja, genau. Andererseits gibt es aber täglich auch so viel zu tun. Da muss man sich die verfügbare Zeit schon genau einteilen.“

„Verständlich. Lass uns mal auf die Thema Namen und Kurzgeschichten kommen. Wie kam es eigentlich zu Deinem Namen ,Kritikverloren‘?“

„Damals, ich glaube das war 2016, hatte ich den Gedanken das Kritik konstruktiv sein sollte. Damit sie angenommen werden kann. Und ab und an wollte ich zu verschiedenen Themen auch einfach mal nur meckern. Diese Einträge sind mittlerweile alle gelöscht. Weil ich nach meinen Erlebnissen 2019 etwas brauchte um alles zu verarbeiten, habe ich den Blog einfach umfunktioniert. Quasi zweckentfremdet. Aus diesem Grund ist der Nick auch nicht wirklich passend. Bezogen auf die jetzigen Inhalte.“

„Sag was Du denkst, aber nicht zu laut.“

„Wobei es auch darauf ankommt, wie man etwas sagt. Laut ist der Blog allemal. Ich persönlich empfinde ihn zeitweise tatsächlich als sehr laut.“

„Du beziehst Dich auf die Aktivität? Die Anzahl Deiner Beiträge?“

„Nein. Man kann durchaus eine Menge publizieren und keiner bekommt es mit. Ich meine die Art, wie ich schreibe. Der Ton ist mitunter schon sehr scharf. Die Worte wohlüberlegt. Gerade bei ernsten Themen. Trotzdem lösche ich manchmal sogar Beiträge wieder, oder stelle sie gar nicht erst ins Netz.“

„Warum?“

„Aus Sorge das sie zu heftig, ironisch, gar sarkastisch formuliert sind. Und unter Umständen verletzend wirken könnten.“

„Bist Du da nicht zu streng mit Dir selbst?“

„Selbstkritisch wohl eher. Ich glaube, man hat auch eine gewisse Verantwortung gegenüber seinen Leser*innen. Daher muss man vielleicht auch nicht alles publizieren.“

„Nun bist Du doch aber auch nicht dafür verantwortlich, wie jemand einen Text liest, respektive versteht.“

„Völlig richtig. Und dennoch kann ich mit meinen Worten, wie übrigens jeder andere Mensch auch, Einfluss auf die Empfindung anderer nehmen. Somit liegt es für mein Verständnis eben auch in der Verantwortung eines Autors, welche Texte er veröffentlicht.“

„Sich seiner Worte bewusst sein, ich verstehe. Und wie ist das mit den Charakteren Deiner Kurzgeschichten?“

„Während ich für meine Geschichten wohl verantwortlich bin, so bin ich nicht für die Handlung der Protagonisten meiner Geschichten verantwortlich. Sie sind ein stilistisches Mittel. Gewählt, um einen Sachverhalt oder einen Verlauf klarer zu beschreiben.“

„Aber bezogen auf die Geschichte.“

„Ja. Aber es sind Charaktere. Jede Figur für sich. Im Endeffekt ist das vergleichbar mit einem Puppenspiel. Die Fäden sind die Handlungsstränge. Und je nachdem wie man den Faden bewegt, so folgt die Puppe der Bewegung.“

„Das ist wirklich spannend.“ Ich bemerke wie leer es plötzlich geworden ist. Das Café schliesst. „Vielleicht treffen wir uns zu einem anderen Zeitpunkt nochmal.“

„Gerne, Du weisst ja wie Du mich findest.“

Ja, denke ich. Du bist in mir. Wie es eben meistens mit Antworten so ist. Sie liegen oftmals in uns selbst.

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