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Im Sand der Zeit


Ein Blick auf die Uhr. Gerade noch hatte ich das Licht der Welt erblickt und meinen ersten Atemzug getan. Doch jetzt sass ich in der Schule und las ein Buch von Siegfried Lenz. So zärtlich war Suleyken. Nachmittags schwang ich mich auf‘s Rad. Raste über die Felder. Das Leben war herrlich. Wunderbar. Und neu.

Es war bereits spät, als ich wieder auf die Uhr schaute. Dann in Ihre Augen. Glück. „Irgendwann sitzen wir zusammen auf einer Hollywood Schaukel und schauen uns zusammen den letzten Sonnenuntergang an.“ – Tick, Tack. Tick. Tack. Der Zeiger sprang weiter. Eine andere Liebe. Tick. Tack.
Irgendwo auf der Sniper Alley, Sarajevo, war ein Unfall passiert. Als ich erneut auf die Uhr schaute hatte ich ein Baby auf dem Arm. Es schrie. „Hab keine Angst“, flüsterte ich ruhig. „Papa ist da. Papa ist immer für Dich da.“ Und auch sonst war ich voller Tatendrang. Hatte einen grossen Teil meines Leben noch vor mir. Tick. Wieder sprang der Zeiger. Tack.

Lieben gingen. Kamen. Gingen. Die Zeiger rasten nur so auf dem Zifferblatt.

Eine Umarmung. Irgendwo in Zürich. Wärme. Urvertrauen. Sofort kam mir die Hollywoodschaukel in den Sinn.
Plötzlich verlangsamten sich die Uhrzeiger. Ich schaue auf die Uhr. Es ist 12:50h. Ich sitze in einem Call. Wenn ich das nächste Mal auf die Uhr schaue, dann gehe ich in Rente. 20 Jahre noch. Die Zeit rennt. ‚Über was diskutieren die da gerade?‘, denke ich mir. 20 Jahre. Was mache ich bis dahin? Wo ist nur mein Tatendrang? Meine Energie? Und wo bekomme ich jetzt eine Hollywoodschaukel her? Der Sand der Zeit rieselte vor sich hin. Egal….ich schaue auf die Uhr. 

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