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In aller Deutlichkeit

Kopfschüttelnd sitze ich da. Was sind das für wirre Meldungen? Dabei hatte doch alles so gut angefangen. Die gesamte Menschheit erhielt eine Mega-Chance. Für ein geistiges Umdenken. Der inneren Transformation. Endlich wurden Themen besprochen, die zuvor nicht mal im Ansatz auch nur in der der Nähe des öffentlichen Fokus standen. Es wurde über Kindeswohlergehen und -schutz gesprochen. Die Sorge um ältere Menschen. Gewalt gegen Frauen. Soziale Benachteiligungen. Über Familien. Einer Reformation des Schulwesens. Über die Anerkennung der Leistung von Pflege- und medizinischem Personal. Wertschätzung. Im allgemeinen. Und wie man sie honoriert. Zum Ausdruck bringt. Auch ganz grundsätzlich darüber, wie man die Bevölkerung vor einem Virus schützen kann. Welche Auswirkungen bestimmte Massnahmen haben. Und zwar für den demokratischen Rechtsstaat. Nicht zuletzt auch für die Wirtschaft. Die ja, Globalisierung sei dank, seit Jahren ganze Beschäftigungszweige ins Ausland verlagert hat. Daher kamen auch Themen wie Jobsicherheit und produktionsbedingte Abhängigkeit zur Diskussion. Zusätzlich wurden auch die unterschiedlichen Sparmassnahmen im Gesundheitssystem besprochen.

Und jetzt? Schau was passiert.

Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll, so viel unglaubliche Themen gibt es.

Das sich zunächst fast jeder selbst der Nächste ist, das konnte man bereits in den Tagen vor dem Lockdown gut beobachten. Denn, während in der Lombardei ganze Armee-Konvois Leichen abtransportierten, was sahen wir aus Deutschland? Verwöhnte Wohlstandskinder, die mit Masse in ihrem Leben vermutlich noch nie Dreck haben essen müssen, schlagen sich um Klopapierrollen. Klasse. Diese Bilder werde ich nie wieder los. So sehr habe ich mich fremdgeschämt. Hat es uns in den letzten Jahrzehnten an irgendwas gemangelt? Gab es tatsächlich mal auch nur irgendein Produkt das wirklich ausverkauft war? Ausser irgendwelchen ‚Fidget Spinner‘ vielleicht? Ich glaube nicht. Ganz im Gegenteil. Und die Aussage: „Ja, Klorollen“, lasse ich nicht gelten. Wenn ich mir beim Einkauf das gesamte Warensortiment in den Wagen lege, dann ist das für die Nachkommenden auch nicht mehr verfügbar. Unfassbar. Logisch.

Im übrigen habe ich mich auch geschämt, als ich die Bilder aus Lesbos sah. Auf denen man Menschen in Flüchtlingslagern Nahrung entgegen schleuderte. Die diese, in ihrer völligen Verzweiflung dann von Boden aufgesammelt haben. Bilder wie bei einer Raubtierfütterung. Geschämt habe ich mich, weil es so entwürdigend war. Menschenverachtend.

Doch es kommt tatsächlich noch besser. Da zweifeln Menschen an, dass es den Virus Covid19 überhaupt gibt. Angesichts der vielen Toten, ein Schlag in die Gesichter derer Angehörigen.

Aber was ist schon viel?

Der Lockdown selbst wird in Frage gestellt. Gut, über manche Massnahmen kann man streiten. Sicherlich. Aber mit Verstand. Und Mässigung in der Sache.

Nur sollten wir uns zuvor darüber bewusst sein, dass dies eine Ausnahmesituation ist. Eine nicht alltägliche, noch nie dagewesene Situation, auf die, so scheint es, kaum ein Staat vorbereitet gewesen ist. Es gab kaum Zahlen, die man zur Entscheidung hätte heranziehen können. Wie viel Menschen sind gestorben? Wie viele tatsächlich an Covid19? Wie viele sind geheilt? Tatsächlich geheilt. Quasi immun? All sowas eben.

Was dann passierte war eine logische Konsequenz. Die Entscheidungsträger arbeiteten mit messbaren Zahlen, soweit bekannt (dem R*Faktor, zum Beispiel). Und mit Annahmen. Unter der Prämisse, dass alle Massnahmen zeitlich begrenzt sein müssen. Jedoch vor allem verhältnismässig. Und, respektive oder, mit der etwaigen Gesetzgebung vereinbar sein müssen. Zuerst einmal geht es um den Schutz der Bevölkerung. Und zwar unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe etc. (Wer nachlesen möchte findet dies unter GG Artikel 1, gültig für die BRD. Die Schweiz hat dies sinngemäss ebenso verankert.)

Dann begannen die Vergleiche. Man schaute was andere Länder tun. Beispielsweise Schweden. Schönes Land. Immer weit vorne mit dabei, wenn es um vernünftiges Denken geht. Prima. Also Schweden…hat….oh, ungefähr 25 Einwohner pro Quadratkilometer. Hingegen sind es 237 in Deutschland. Bezogen auf Quadratkilometer. Ich war nahe dran das ganze aufzumalen. Um es zu veranschaulichen. Vielleicht mache ich das noch. Nur um visualisieren wie verquer dieser Vergleich doch ist.

Doch der Mensch wäre nicht Mensch, wenn er nicht anpassungsfähig wäre. Das macht uns aus. Uns Homo Sapiens. Die wir nun mal sind. Bezogen ist dies allerdings auf unsere Fähigkeit, sich einer rasant ändernden Umgebung anzupassen. Doch was tun wir anstatt dessen? Da die Bundesliga derzeit ausfällt haben wir es mit einem ganzen Heer Trainer zu tun, das sich samstags abends langweilt. Da bietet es sich doch nur an, endlich mal zu zeigen was in uns steckt. Also werden viele Virologe. Ein Fachgebiet für das man promoviert haben muss, kann ja nicht so schwer sein. Und wenn man den Forschern und Wissenschaftlern lange genug zuhört, dann macht man eben noch rasch seinen Doktor in Epidemiologie nebenher.

Nochmal: wir sprachen oben bereits von Wertschätzung. Das ist, und dies mag nun für einige überraschend sein, nicht nur auf eine oder ein paar wenige Berufsgruppen gemünzt. Tatsächlich funktioniert das also in viele Richtungen. Und wenn jemand 20 Jahre an einen Thema forscht, zu dem es noch immer kein Impfstoff gibt, dann würde ich meinen, das Thema ist komplex. Und zwar so komplex, dass es eben nicht jeder lösen kann.

Doch auch hier gilt das Grundgesetz. In diesem Fall Artikel 5. – mal so nebenbei: wäre Deutschland tatsächlich ein „SS-Staat“, besagter Artikel wäre ebenso eingeschränkt wie die Pressefreiheit. Ganz sicher. Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Verordnung_des_Reichspräsidenten_zum_Schutz_von_Volk_und_Staat

Oder, wie jemand auf Twitter geschrieben hat: „Das wir nicht in einem SS-Staat leben kann man sehr gut daran erkennen, welche Bücher in einzelnen Buchläden zum Verkauf ausliegen.“

Die BRD mit so einem totalitären System zu vergleichen ist kompletter Wahnsinn. Das entbehrt jeglicher Grundlage.

Doch zurück zur Meinungsfreiheit und dem damit verbundenen Mist, der über das Netz verteilt wird. Tracing App? Lautete Aufschrei. Der Staat will uns überwachen. Tatsächlich? Ist das so? Spannend.

Ich schau mal eben welche Anforderungen in an unser Gesundheitssystem habe. Da wäre mein Wunsch eine entsprechende medizinische Behandlung. Von Fachpersonal durchgeführt. Es wäre wünschenswert, wenn dieses Personal gesund wäre. Stop! Moment. Falsch. Also ziemlich toll würde ich es finden, wenn ich das alles gar nicht bräuchte. Wenn ich erst überhaupt nicht erkranken würde. Wenn mich wer drauf hinweisen würde: „Du stehst gerade in der Nähe eines Infizierten. Bei deinen Vorerkrankungen stehen die Chancen echt gut, dass du dich leicht ansteckst. Und ggf. in einem Spital sterben könntest.“

Klingt krud? Nicht für mich. Ich hab nämlich gerade weder Zeit noch Lust darauf zu sterben.

„Aber die Kontrolle! Der Staat….“ – Ja. Datenschutz ist wichtig. Sehr sogar. Und auch richtig. Kurze Fragen meinerseits: auf wie vielen Plattformen hast Du bereits Deine persönlichen Daten eingetragen? Nutzt Du Amazon, Netflix, Facebook & Co? Hast Bilder vom letzten Sauf-Wochenende geteilt? Likes für ein Bildchen kassiert, auf dem Du Dir eine Line Koks reinziehst? Dich mit zwielichtigen Menschen gezeigt? Gut, dann hätte ich an Deiner Stelle sicherlich auch Sorge. Das der Staat das sieht. Mach Dir mal bitte bewusst wie wichtig Du als Mensch bist. Aber wie unwichtig für Ermittlungsbehörden.

Es sei denn, ja….Du bist ein bekannter Mannheimer Sänger. Und verteilst Deine wahnsinnigen Theorien im Netz. Demnach ist Covid19 (ein globaler Virus) also der Plan der Bundesregierung. Um die Anzahl der Rentner zu dezimieren. Also quasi ein Genozid. Weil man die Rente nicht mehr bezahlen könne. Als einer der mächtigsten G7 Staaten. Wahnsinn.

Und das, obwohl es diesen Virus ja gar nicht gibt. Verrückt. Jemanden töten zu wollen, mit einer Waffe die es gar nicht gibt. Und zwar aktiv. Bekomme nur ich da einen Knoten ins Hirn?

Den subtilen Aufruf zur Gewalt, im Stil von Pontius Pilatus (…“böse Frau Merkel, wir werden uns wehren. Also, nicht ich. Weil mir reicht es ja, NUR vor Gericht zu ziehen….), vielleicht wird der Verfassungsschutz hier mal genauer hinschauen.

Und plötzlich findet sich in so manchen Ava, den Profilbildern, ein Davidstern. Gleich dem des 3. Reichs. Mit der Aufschrift „Infiziert“. Das ist nicht nur beschämend. Das ist verletzend. Es ist unfassbar. Die Taten des gezielten Genozids an Millionen von Menschen zu verharmlosen. Erschütternd. Ich mag dazu nicht viel schreiben. Denn wer so empfindet ist in meinen Augen einfach ungebildet und dumm. Würdelos.

Kommen wir nun zu den Schutzmasken. Gute Idee. Einfache Massnahme. Findet auch nicht jeder gut. Wieso eigentlich nicht? So wenig Spass wie man derzeit hat muss man wenigstens nicht noch sehen, wie jeder nur mit missgünstig verzogenen Mundwinkeln rumläuft. Gut, einen validen Punkt gibt es durchaus. Und der hat mit Inklusion zu tun. Gehörlose Menschen, die auf Mimik und Lippenlesen angewiesen sind dürfen nicht ausgeschlossen werden. Und hier bedarf es durchaus einer sehr deutlichen Nachbesserung.

Aber viele, nicht Gehörlose, wollen ja gar keine Maske tragen. Die Kurve ist ja flach genug. „Was soll schon passieren?“ Das ist einfach die falsche Fragestellung. „Was soll nicht passieren?“, würde schon eher passen. Und die Antwort ist einfach: „Die Kurve soll nicht wieder ansteigen.“

Ist das tatsächlich so schwer?

Wir haben die letzten Wochen viel diskutiert. Über so viele Dinge. Darüber, ob Massnahmen überzogen waren. Oder sind. Und im Nachhinein ist es einfach, darüber negativ zu urteilen. Gerade dann, wenn sie scheinbar gegriffen haben. Doch anstatt das zu würdigen, auch mal wertzuschätzen, dass die Politik tatsächlich alles daran gesetzt hat, diesem Wahnsinn entgegenzuwirken, beschweren wir uns. Darüber, dass man stundenlang warten muss, um in den Baumarkt zu gelangen. Weil, wenn man schon der Gefahr eines tödlichen Virus ausgesetzt ist und die Apokalypse vermutet, dann wenigstens im hübsch hergerichteten Garten. Im trauten Heim. Vollgestapelt mit Klopapier. Gestützt von zentnerschweren Mehlsäcken. Und mit einen tollen Haarschnitt.

Liebe Leser*innen, ich wohne in der Schweiz. Mir fehlt es gerade tatsächlich an nichts. Zumindest nichts was man, einem Job im Homeoffice sei dank, mit Geld kaufen kann. Ich hab ein sicheres Zuhause. Nahrung. Sogar Klorollen. Und zwar in normalen Bestand. Das einzige was ich tatsächlich vermisse ist körperlicher Nähe. Und den Glauben an die Menschheit.

Bleib gesund. Und schaut mal hinter den Horizont. In Euch hinein. Da gibt es noch viel zu entdecken. Fernab von Verschwörungstheorien und Neid. Nämlich das Mensch sein selbst.

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