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Instagramzwang

„Wow, cool. So ein tolles Bild.“ „Hammer Shot.“ – Kommentare wie diese sind heuer in jeglicher Ausprägung auf Instagram zu lesen. Das spornt an. Mehr. Noch mehr. Fotografieren was das Zeug hält. Nur um weitere Lobhuldigungen zu lesen. Zu erhalten. Brotlose Kunst. 

Und fotografieren ist ja auch so einfach. Natel (Smartphone) raus und schon geht es los. Objekt egal. Knips. Unter-/Oberbelichtet? Egal. Zig Apps werden es mit ihren Filtern schon richten. Hauptsache Likes. Hauptsache: gesehen werden. Fotografiefliesbandproduktion. Möglichst spektakulär muss es sein. Das ist wichtig. Und was andere können, „ah, ich kann das schon lange“. Denkste Lübke. 

Aber Lübke denkt nicht, Lübke handelt. Und weil heute Vormittag 2 lustige Gestalten auf dem Acker hinter unserem Haus ihren Biomüll entsorgten (sie warfen Brot und anderes auf das Feld), wollte Lübke das auch. Es begab sich nämlich, dass sich zuvor mehrere Milane erfreut auf die Speisereste stürzten. Laut kreischend. Und das ist doch was. Taube, Spatzen, Möwen füttern. Sowas ist eher langweilig. Hat jeder schon tausendmal gesehen. Aber ein Raubvogel mit einer beeindruckenden Spannweite von 1.75m…..nun ja, das ist sicherlich spektakulär. 

Also kam Lübke mit 2 Tüten auf’s Feld. Warf ein paar Stücke. Ging 5 Meter zurück, zückte das Natel. Nix passierte. Also wieder auf das Feld. Brocken suchen. Werfen. Nix. Das Spektakel ging wohl 4-5 Mal so. Ein Rabe flog neugierig vorbei. Zog aber wieder ab. Und Lübke? Lübke zog ebenfalls enttäuscht ab. 

Eines der wichtigsten Dinge, die ich persönlich lernen durfte, in der Fotografie, ist Geduld. Gerade bei Tieraufnahmen. Und hätte Lübke die heute gehabt, dann hätte er auch die 2 Milane entdeckt, die von weitem langsam Richtung Feld flogen. Allerdings schnappte sich der Rabe, der zuvor bereits dagewessen war ein Stück und flog davon. Aber das hat Lübke auch nicht mehr gesehen. Obwohl….Raben sind ja auch eher so langweilige Tiere. Kennt auch schon jeder. Dort auf Instagram. 

Mal abgesehen davon, man verteilt weder seinen Biomüll (und sei es noch so gut gemeint) auf irgendeinem Feld. Noch füttert man Wildtiere mit irgendeinem Mist, der vielleicht für Menschen geeignet ist. Das gilt für Obst (ggf. gespritzt), für Brot (U never know was drin ist) und erst recht für Fleisch (Antibiotika verseuchte Massenware, meine Meinung). 

So. Mal schauen was weiterhin passiert. Vielleicht sprengt ja mal einer seine Drohne. Oder verkleidet seinen Pintscher als Maus, damit die Milane was zum spielen haben. Hauptsache spektakulär. Hauptsache Instagram. 

Denn, Du bist niemand, wenn Du nicht fame bist. 

Dieses Bild, von einem mir nicht bekannten Künstler, zeigt übrigens, dass auch Tauben durchaus für spektakuläre Aufnahmen geeignet sind. Wenn man lediglich den künstlerischen Aspekt betrachtet. Aber so hat eben jeder seins. 

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