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Körpersignale

Träume sind etwas wunderbares. Sie helfen uns Dinge aus verschiedenen Sichtweisen zu sehen. Auch zu verarbeiten. Dinge die geschehen sind. Manchmal sogar Dinge die passieren könnten. Unsere Fantasie kennt dabei keine Grenzen. Unsere Vorstellungskraft stellt uns das gesamte Spektrum frei zur Verfügung. Phänomenal.

Für mich sind Träume aber auch ein wichtiger Indikator. Nämlich dafür wie es mir gerade geht. Wie es um mich bestimmt ist. Um mein Inneres. Mein Sein.

Letztes Jahr habe ich eine Menge Bücher gelesen. Etwas 60. Bis August. Neben einigen Romanen, über Murakami, bis Douglas Adams, auch von Schirach und Harari. Lag ich abends im Bett so hörte ich Vorträge von Eckhart Tolle. Mein Traum-Repertoire war also gefüllt. Mit guten Stoffen. Nichts aufreibendem. Sondern tatsächlich qualitativen Themen. Ich konnte auch super schlafen. Und früh morgens sehr früh und ausgeruht aufwachen. Über Themen nachdenken. Arbeiten. Zum Sport. Alles sehr bewusst. Kurzum, ich hatte einen gesunden Biorhythmus.

Dann kam der Tag, Mitte August. Der Augenblick, als meine Welt zerbrach. Mit einem riesigen, lauten Knall. Und ich aufhörte zu Sein. Alles was gewesen war, auf dem Weg war zu werden, war plötzlich weg.

Natürlich wusste ich noch meinen Namen, Daten. All dies. Aber in meinem Kopf legte sich ein Schalter um. Nämlich der für den kompletten Reset. Und nicht nur um einen Neustart zu erzwingen. Nein. Gefühlt war es ein BIOS-Falsh. Ein Update auf alle Funktionen. Sinne.

Sogar meine körperlichen Funktionen waren eingeschränkt. Atmung. Schwer. Aber automatisch. Gehen. Nahm ich wahr. Jedoch nur die Tatsache an sich.

Es war so ein heftiger Systemabsturz, dass ich nahezu 2 Stunden unbeweglich in der Wartehalle im Flughafen saß. Ich konnte nichts mehr tun. Nichtmal Weinen. So stark waren meine körperlichen Funktionen eingeschränkt. Dabei lief mein System innerlich auf Hochtouren. In meinem Kopf spielte sich ein episches Fehlerprogramm ab. Versuchte den Augenblick zu analysieren. Den Zeitpunkt zu finden ab wann alles schief gegangen war. Dazu diese Flut an Emotionen. Parallel hierzu lief ein Backup Programm. Um den Augenblick zu sichern. Jedes Detail. Auch Dialoge. Doch die Menge an zu verarbeitenden Daten war immens. Und hinderten mich daran die restlichen Funktionen wieder online zu schalten. Von meinem Weg vom Flughafen bis nach Hause fehlt mir seitdem jegliche Erinnerung.

Tags darauf ging ich zum Arzt. Wurde krankgeschrieben. Ich solle mich ausruhen. Empfahl er mir. Also versuchte ich zu schlafen. Doch das klappte nicht. Stundenlang lag ich im Bett. Ruhelos. Denkend. Stand auf. Ging zum Sport. Auch Nachts. Lief umher. Sass bewegungslos in der Wohnung. Bis ich nach 36 Stunden endlich, komplett übermüdet einschlief. Diese Taktung ertrug ich knapp 2 Wochen. Dann musste ich handeln. Und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Wenn ich schlief, dann nur kurz. Für 2-3 Stunden. Geträumt habe ich nicht. In dieser Zeit. Stattdessen war mein Kopf nach dem aufwachen sofort voll da. Bis ich wieder einschlief. Zwischenzeitlich war ich komplett paralysiert. Meine Aktivitäten mechanisch. Ohne Hingabe. Völlig unbewusst.

Nur sehr langsam regenerierte sich mein Körper. Mein Geist. Nach einiger Zeit fing ich wieder an zu arbeiten. Anfangs saß ich in Besprechungen. Die Dauer hatte ich zuvor auf 30 Minuten reduziert. Die ersten Tage saß ich nur da. Hörte das gesprochen wurde. Aber ich verstand es nicht. Selbst Themen die mir wohlvertraut waren. Sie ergaben keinen Sinn mehr. Nichts wollte in meinen Kopf. Und wenn, dann nur sehr langsam. Alles war eine Qual. Für mich. Jede Aktivität. Essen. Schlafen. Wirklich alles. Sogar Spazierengehen. Das ging über Monate so.

Doch irgendwann schaffte ich es tatsächlich wieder zu schlafen. Überhaupt einzuschlafen. Auch durch harte Selbstkonditionierung. Und seit ein paar Wochen kann ich sogar wieder träumen. Und ich selbst sein.

Dies ist eine der bittersten Erfahrungen, die ich je machen musste. Aber sie hat mich auch einiges gelehrt. Nämlich auf mein inneres System zu vertrauen. Wenn mein Bauchgefühl, entgegen meinem rationalen Denken, mir Signale schickt, so werde ich dies zukünftig mehr berücksichtigen. Wenn ich Probleme mit dem Einschlafen habe, dann läuft vermutlich ziemlich viel schief. Ein weiterer Indikator sind meine Träume. Wenn sie ausbleiben, dann ist das kein Signal mehr dafür das es gerade nichts zu verarbeiteten gibt. Sondern dafür das ich so viel zu verarbeiten habe, das ich keinen Zugang mehr zu meiner Traumwelt habe.

3 Kommentare

  1. Hallo, ich weiß deinen Namen gar nicht 🙂

    Ich habe deinen letzten Beitrag gelesen und weil es keine Möglichkeit zum kommentieren gibt, möchte ich dir gerne eine Mail schreiben. Das habe ich übrigens bisher noch nie gemacht aber ich denke, dass es vielleicht für dich wichtig sein könnte.

    Es könnte sein, dass du die Erlebnisse, die du dort unter dem Artikel „Körpersignale“ schilderst, völlig missverstanden und deshalb negativ interpretiert wurden.

    Ich selbst kenne mich mit Kundalini überhaupt nicht aus und ich halte auch nicht sehr viel davon aber es hört sich für mich so an, als wenn du eine sehr extreme Erfahrung dieser Art hattest.

    Ich weiß nicht, wie sehr du dich zuvor mit Yoga/Bewusstsein/Erleuchtung etc befasst hast. Gesund und einfach ist es, wenn man ganz langsam in solche Prozesse hineinwächst und sehr erschreckend kann es sein, wenn man da plötzlich hineinfliegt. Dann weiß man nicht, was mit einem geschieht, denkt, es ist etwas Organisches, geht zum Arzt und der sagt: Stress.

    In gewisser Weise ist es auch Stress, da du vielleicht auf dieses Erlebnis körperlich und geistig noch nicht vorbereitet warst. Es ist jedoch nichts, wovor man Angst haben muss. Es ist auch nicht gefährlich, so sagt man und es hat nichts mit dem üblichen Begriff von Stress zu tun.

    Für mich hört es sich vielmehr so an, als war da so etwas wie Erleuchtung in einem Körper-Mind-System, ohne dass du darauf vorbereitet warst. Alles, was du gelesen hattest, hat dich völlig überflutet. Du hattest plötzlich gesehen, was Realität ist: Da ist niemand, der irgendetwas tut. Alles passiert. Aber du hast das noch nicht richtig erkennen können.

    Als ich das für mich selbst erlebt hatte, war ich gut vorbereitet (10 Jahre langsamer Weg mit Yoga) aber trotzdem war es ein riesengroßer Schock zu sehen, dass ich gar nicht existiere. Allerdings blieben all die körperlichen Reaktionen aus – Gott sei Dank -. Ich denke, es liegt daran, dass ich mein System nicht überfordert hatte.

    Und deshalb ist es eigentlich genau umgekehrt: Wer träumt, ist noch in der Person. Kämpft noch. Denkt noch, es gibt etwas zu erreichen. Will Veränderung. Lebt in der Zeitschiene und nicht im Hier und Jetzt. Wenn nicht mehr geträumt wird, dann ist Frieden im Geist/Körper/System. Wenn da niemand ist, wer soll denn dann worüber träumen. Schlaf und Wachzustand sind ein und das gleiche. Es sind beides Traumzustände.

    Das wollte ich dir nur sagen, damit du nicht zurückgehst, sondern den Mut findest, weiter dran zu bleiben. Du hattest die richtigen Bücher und das richtige Erlebnis. Ein Arzt würde das sowieso nie verstehen. Vielleicht gibt es in deiner Nähe Yogalehrer oder Satsang Lehrer, die dir hier zur Seite stehen können, damit du keine Angst vor diesen Dingen bekommst.

    Es wäre schade, nicht zu erkennen, was da wirklich passiert ist und wie du am besten damit umgehst und ob du bereit dafür bist.
    Alles Liebe, Monika

    • Sali Monika,
      zuerst einmal vielen Dank für Deine ausführliche Sichtweise. Das ist in der Tat ein sehr spannender Ansatz und ich werde darüber sicherlich eine Weile nachdenken.
      Eigentlich bestätigst Du aber bereits jetzt, dass ich (wenn auch instinktiv) richtig gehandelt habe. Ich bin kurz nach diesem Augenblick in einige Zeit in ein Ashram gegangen in dem Kriya-Yoga praktiziert wurden. Vielleicht schreibe ich darüber mal. Aber zuerst möchte ich mir das Ganze Thema nochmal betrachten um Deine Perspektive genauer zu verstehen.

  2. Pingback: Erlebnisse in C-Mol | | kritikverloren

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