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Let it bounce

Resilienz ist derzeit das Thema, mit dem ich mich sehr ausführlich beschäftige. Tatsächlich ist es bewundernswert, wenn Menschen sowas können. Mir fiel das bisher immer schwer. Meist habe ich Dinge einfach verdrängt. Das war ein Fehler. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet. Ganz sicher sogar. Dabei bietet Resilienz ganz neue Optionen. Und die möchte ich hier mit Dir anschauen.

Kurzer Abriss: unter Resilienz (lat. Verb resilire, abprallen) versteht man die Stärkung der mentalen Widerstandskraft. Also wie schaffe ich es das mich Themen nicht, oder nicht mehr, so stark belasten. Psychisch. Vor allem. Um das ganze zu visualisieren wurde dies in 7 Säulen gegliedert. Sie stützen unsere Widerstandskraft. Damit wir Lebenskrisen besser meistern (können). Und damit „das Dach“ (Resilienz an sich) nicht seitlich abrutscht, oder in sich zusammenbricht, bedarf es einer Balance. Zwischen den Säulen. Man muss also alles im Gleichgewicht halten.

Die 7 Säulen der Resilienz (Abb. Entliehen, ich zeichne aber gerade eine neu)

Da wäre also zuerst einmal der Optimismus. Das die Zeit alle Wunden heilt, dies hört man ziemlich oft. Das mag nicht jede(r) so empfinden. Denn jeder Mensch tickt anders. Und vergessen ist mitunter extrem schwierig. Je nach Erlebnis. Wer von PTBS betroffen ist, der wird mir hier vermutlich sofort zustimmen. Dennoch wird empfohlen optimistisch zu sein. Gut.

Also mache ich mir bewusst, dass jede Krise irgendwann auch zu Ende sein wird. Diese Säule habe ich verinnerlicht. Mir ist völlig bewusst das nichts für die Ewigkeit ist. Bestand hat. Ausser die Vergänglichkeit. Und dies gilt für alle Dimensionen, die ich mir vorstellen kann. Vom kleinsten Teilchen. Über den Apfelbaum, der hinter dem Haus steht. Über Gebäude. Unseren Planeten Erde. Bis hin zu unserer Galaxis selbst. Alles wird irgendwann vergangen sein. Und mit dem all unsere Sorgen, Probleme, Ängste und Nöte. Das mag abstrakt tönen. Jedoch hat es mir geholfen. Dinge in ein Grössenverhältnis zu setzen. Um mir der Grösse meiner Problematik bewusst zu werden. – damit möchte ich nicht zum Ausdruck bringen das jedes Problem winzig ist. Lediglich meine, in Bezug auf das grosse Ganze. Selbst wenn sie für mich mitunter unüberwindbar erscheinen mögen. Irgendwie muss ich mir ja helfen.

Eine weitere Säule ist Akzeptanz. Hierfür soll ich die Krise in der Ursache erkennen. Und als solche anerkennen. Bewusst machen. Bezogen auf mich selbst weiss ich, dass es sich um einen unumstösslichen Fakt handelt. Ich kann die Situation nicht mehr ändern. Es ist, wie es ist. Also kann ich sie nur annehmen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es mir super leicht gefallen ist. Ganz um Gegenteil. Neben tausenden von Fragen, dem ,warum’ & ‚wieso‘, inneren Kämpfen, den Tränen und der Trauer, war dies der schwierigste Prozess. Und schmerzhaft. Durchaus.

Die Lösung der Problematik an sich ist Inhalt der 3. Säule. Knackig. Sehr sogar. Es gibt einfach nicht „die Lösung“. Oder „den Weg“. Nein. Jeder muss sich selbst eine Lösung erarbeiten. Ganz individuell.

Für mich selbst habe ich das mit Hingabe bewältigt. In meiner Weltanschauung hat das Universum einen Plan. Nichts geschieht ohne Grund.

Nun hätte ich mich dem verweigern können. Schliesslich bin ich ein freier Mensch. Jedoch würde ich Gefahr laufen, das ganze Szenario wieder und wieder zu erleben. Bis ich mich diesem Plan, also den Weg den mir das Universum aufzeigt zu gehen, beugen würde. Tatsache ist, dass meine körperlichen Schmerzen, die psychosomatisch waren, schlagartig aufgehört haben. In dem Moment, als ich mich dem allem komplett hingegeben habe.

Die nächste Säule (Nr 4.) ist eine echte Herausforderung: das verlassen der Opferrolle. Schwierig. Gerade dann, wenn man ein geringes Selbstvertrauen hat. Ohne das entsprechende Selbstvertrauen ist Resilienz noch nicht wirklich in greifbarer Nähe.

Eine meiner Fragestellungen an mich selbst lautet daher: „wie, um alles in der Welt, konnte mein eigens Selbstvertrauen so erschüttert werden?“ Mittlerweile weiss ich die Antwort für mich. Und kann daran arbeiten. Schutzmechanismen bilden. Im übrigen ist es Gold wert zu erkennen, warum man sich in manchen Situationen wiederfindet. „Was habe ich dazu beigetragen, dass ich in diese Situation geraten bin?, ist eine Frage die ich mir des Öfteren betrachte. Und beantworte.

Die 5. Säule ist die, die mir persönlich am leichtesten fällt. Verantwortung für mein eigenes Leben übernehmen. Sicherlich gab es Zeiten, da hätte ich mir gewünscht ich könne diese mal eben abgeben. Aber sind wir mal ehrlich: selbst wenn die Welt um einen rum pechschwarz ist, niemand wird kommen und Dir die Bettdecke wegziehen. Dich bei der Hand nehmen. Und Dich retten. Niemand. Mit diesem Bewusstsein habe ich meine inneren Kräfte mobilisiert. Nachdem ich mir wieder angefangen habe mir etwas zu vertrauen. Wer meinen Blog bereits länger liest, der kann ungefähr einschätzen wie schwer das war. Zeitweise. Dabei gab es durchaus Menschen, die mir immer wieder gut zugeredet haben. Mit versucht haben aufzupäppeln. Und dafür bin ich ihnen auch wirklich sehr dankbar. Doch Eigenverantwortung geschieht aus eigenem Antrieb. Und das ist auch gut so. Denn es zeugt von Lebenswillen.

Netzwerken, als 6. Säule, ist ein wichtiger Faktor. Wer nur für sich, im stillen Kämmerlein, seine eigene Welt schafft wird das merken. Spätestens dann, wenn man raus geht. Auf Menschen trifft. Und die eben anders (individuell) reagieren, wie man sich das vorgestellt hat. Daher ist ein Netzwerk eine prima Option. Nicht nur zur Selbstreflexion. Sondern auch um neue Sichtweisen zu erlangen. Sich inspirieren zu lassen. Im übrigen durfte ich lernen, dass dies auch in der Zeit eines Lockdowns möglich.

Und wie geht’s nun weiter? Diese Frage beantwortet man sich mit der 7. Säule. Inhaltlich „Zukunft planen und gestalten“. Was möchte ich tun? Wie möchte ich tatsächlich leben? Sieh es mir bitte nach, wenn ich hierauf nicht weiter eingehe. Dafür ist es tatsächlich noch etwas zu früh. Aber auch ich bin ja noch in Arbeit.

5 Kommentare

    • Vielen Dank, das Du das so offen mit mir / uns hier teilst.
      Akzeptanz ist tatsächlich sehr schwer. Und man kommt m.E. sehr schnell an seine Grenzen, wenn man immer nur eine Säule betrachtet. Daher finde ich die Visualisierung auch ganz gut: ein Haus. Man zieht die Mauern ja auch gleichmässig hoch, bevor man ein Dach aufsetzt.
      Zu dem Model selbst: die ersten 3 Säulen beschäftigen sich mit der inneren Haltung. Also: wie gehe ich mit Dingen um, die mich belasten? Dennoch habe ich festgestellt das es mir hilft immer wieder rollierend über alle Säulen zu gehen. Damit ich sie gleichmässig austarieren kann.
      Vielleicht hilft es Dir etwas, so vorzugehen.
      Viele Grüsse
      kritikverloren

  1. Michael Richard Schwager April 22, 2020 um 11:52 am Antworten

    Eine weitere Grundlage für Resilienz ist es, sich selbst kennenzulernen und sich vielfältig zu entwickeln. Ebenso, sich innerlich von Altlasten aller Art zu befreien. Zusätzlich ist es sinnvoll seine Gewohnheiten zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern. Es dauert, liefert aber eine hervorragende Grundlage für inneres Wachstum.

  2. Pingback: Erlebnisse in C-Mol | | kritikverloren

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