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Messlatten, so tief wie Limbostangen

Die Kunst ist es nicht, das Niveau stetig zu steigern.

Die Kunst ist es, das Niveau immer auf dem gleichen Level zu halten. Dies gilt auch für die Augenhöhe & gegenseitige Wertschätzung.

Wem das zu einfach erscheint, der kann hier gerne aufhören zu lesen. Und sich an die Arbeit machen. Denn von dem erwarte ich weltbewegendes. Das wäre dann nämlich die Kür.

Und die anderen? Meine Hoffnung ist, dass wir niemals die eigene Messlatte senken. Und unsere Mitmenschen dabei unterstützen, diese zu erreichen. Dabei sind keine grossen Schritte notwendig. Es reichen ganz kleine Gesten. Und weil ich niemanden belehren möchte, hier mal ein paar Punkte wie ich das mache. Einfach so.

Schenke Deinen Mitmenschen ein Lächeln. Man muss ja nicht gleich alle Menschen angrinsen. Dennoch kann man freundlich sein. Einen wachen, offenen Blick. Ein sanftes Lächeln. Ich übe das täglich vor dem Spiegel. Damit ich es nicht verlerne.

Ebenfalls einen positiven Effekt kann man mit Demut herbeiführen. Sei es das Vorlassen anderer an der Kasse, das Anbieten eines Sitzplatzes. Wir haben alle gleichviel Zeit. 24 Stunden pro Tag. Niemand kann etwas für den Stress in unserer Zeitplanung. Und dessen Ablauf. Somit sollten wir Abstand nehmen davon, dass auf andere zu transferieren. Etwas Demut, vor allem vor sich selbst. Gleichwohl fördert es unsere eigene Geduld. Meines Erachtens ist das eine sehr einfach Übung. Denn niemand ist mehr.

Abstand, gutes Stichwort. Und eine Überleitung. Nicht schubsen, drängeln, der Aura seiner Mitmenschen wertschätzen. Wo ein Körper ist, da kann ein anderer nicht sein. Wir sind hier nicht beim Billiard. Und unsere Mitmenschen sind keine Kugel. Die man wegstösst, nur um eine bessere Position zu erlangen. Ausserdem unterscheidet uns das von Tieren. Wobei selbst die teils ein sozialeres Verhalten aufweisen.

Menschen beim Namen nennen, auch so eine Wunderwaffe der Freundlichkeit. Menschen die im Verkauf arbeiten kennen das vielleicht. Dieses Gefühl, wenn man ein Namensschild trägt. Und Menschen einen behandeln, wie wenn man für sie und nur für sie angestellt wurde. Herrgott nochmal, Verkaufspersonal ist keine „niedere Kaste“. Und auch Personal hinter einem Schalter, sei es auf Ämtern, Dienstleistungsbüros, In der Pflege, in Hotels: da arbeiten Menschen. Alle haben einen Namen. Die meisten tragen sogar ein Schild. Auf dem steht der Name drauf.

Eine der krassesten Beobachtungen, die ich gemacht habe, war die, als ich in einem Supermarkt eine Verkäuferin mit Namen angesprochen habe. Sie schaute mich freudig an. Leicht irritiert das ich ihren Namen wusste. Ihr Gesichtsausdruck erhellte sich, ich stellte eine Frage. Und bekam eben keine ruppige Antwort. Im Gegenteil. Warum das krass war, fragst Du Dich vielleicht?! Nun, wenn jemand überrascht ist das man sie / ihn mit Namen anspricht, dann ist sowas vermutlich eher selten. Namen sind der Identifier #1. Bereits als Kind lernen wir das. Ein Name gibt uns das Gefühl nicht ‚7 of 9‘ zu sein. Auch wenn es Milliarden von uns Menschen gibt.

„Guten Tag/auf Wiedersehen“, „bitte/danke“, die Klassiker. Und Klassik ist out. Andererseits war früher doch alles besser. Es gab mehr Lametta und beim Metzger hat man als Kind eine Scheibe Wurst bekommen.

Was war ich damals gerne mit meinem Opa morgens einkaufen? Er setzte sich seine Batschkappe auf, ich bekam auch eine. Damit ich ausschaute wie mein Opa. „Männel“, sagte er in bestem Monnemerisch: „Jetzt gehe ma mol die Hauptschtross nunner.“ Und dann öffnete er das Hoftor, nahm meine Hand und wir liefen los.

Mein Opa grüsste jeden, freundlich. Er kannte alle mit Namen. Und jeder kannte seinen Namen. Wenn er jemandem besonders mochte, dann blieben wir stehen. In einem gebührenden Abstand. Er stellte mich allen Menschen vor. Damit sie auch meinen Namen kannten. Meist waren es kurze Gespräche. Aber dafür viele.

Wir kauften eine Zeitung. Bei Herrn Wagenhals. Dem Schreibwarenhändler. Dort unterhielt sich mein Opa dann etwas länger. Während ich mich geduldig auf das Highlight freute. Dem Besuch beim Metzger. Dort gab es nämlich immer eine Scheibe Wurst. Für die ich mich bedankte, bevor ich reinbiß. Und wenn ich es mal vergass, dann schaute mein Opa mich fragend an. „Männel, wie sacht ma?“ Ich blickte kurz auf. Schaute dann zur Verkäuferin, hinter dem Tresen: „Danke, Frau Schmidt.“ und Frau Schmidt erwiderte lächelnd: „Losses Dir schmegge, Männel.“

Hatte es wer eilig, dann wurde höflich vorgelassen. „Mir hawwe Zeit. De Krieg war schlimmer, Männel.“

Recht hatte er. Und ich habe mich auch immer sicher gefühlt. Weil uns niemand angerempelt hat. Die Menschen waren wohlwollend und wertschätzend. Respektvoll. Eben.

Wir leben heute in einer absoluten Wohlstandsgesellschaft. Alles ist immer und überall verfügbar. Und dennoch benehmen sich manche, wie bei einer Raubtierfütterung. Der Rang-und Hackordnung agierend. Anstand scheint nur selten vorhanden zu sein, Während sogar Maulwürfe darüber klagen, dass die Limbostange zu niedrig aufgesetzt wurde. Siehst Du auch, wie schwierig es scheint, dass Niveau nur annähernd auf dem von damals zu halten? Und wie wir selbst dazu beitragen können, dieses zu erlangen? Das ist die Kür.

2 Kommentare

  1. Du sprichst mir hier aus der Seele. Das sind genau die Dinge, die wir auch unseren Kinder immer wieder vermitteln und auch selber leben. Mal mehr, mal weniger gut. Aber immer darum bemüht es tagtäglich umzusetzen.
    Danke!

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