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No Limit

Beziehungen sind vergleichbar mit einem Casino-Besuch. Zu Beginn bist Du gut sortiert. Und aufgestellt. Du wirfst Dich in Schale. Erscheinst in neuem Glanz. Voller Vorfreude auf ein Abenteuer. Eine Reise voller Emotionen. Von unbestimmter Dauer. Du hältst Dich für innerlich stabil. Gefestigt. Mental health Champion.

Natürlich warst Du schon oft in diesen Räumen. Kennst den Ablauf. Die Regeln. Auch die Ungeschrieben.

Die Jetons sind Teile von Dir. Bruchstücke deines Herzens. Die Du bereit bist zu setzen. Wenn nötig auch All-in.

Wagemutig nimmst Du am ersten Tisch Platz. Poker. Texas Hold’em. Der Croupier mischt die Karten. Neue, frische Karten sind es. Du kannst es riechen. Ein unverbrauchtes Set.

Blinds. Mitgehen. Sehen wollen. Straight Flush. Full House. Jackpot. Die gewonnen Jetons fügen sich wie Mosaiksteine in Dein Herz ein.

Am nächsten Tisch erwartet Dich Black Jack. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung macht Dir Entscheidungen leichter. Du kannst Dich irren. Oder auch nicht. Gewonnen. Euphorie. Die Welt ist gut. Wie gerne würdest Du alle Tische bespielen. Was soll schon passieren?

Wie im Rausch wechselst Du zum Roulette. Laut ruft die Liebe: „Faites vos jeux!“ – Rouge. Natürlich. Die Liebe ist immer Rot. Wie das Blut, dass durch Deine Adern fliesst. Durch Deinen Körper strömt. Rauschend. Schnell. Rot, Wie Dein Herz. Das pocht. Laut. Der Kessel dreht sich. Entgegen dem Uhrzeigersinn flitzt die weisse Kugel durch das Liebeskarussel. „Rien ne va plus!“ Doch was ist das? Noir. Du verlierst einen Teil der Jetons. Schwarze Flecken werden sichtbar. Lücken. In Deinem Herzen. Und auch auf der Seele des anderen.

Fliege weg. Kragenknopf auf. Die Ärmel hochkrempeln. Noch ein Versuch. Noir. Was soll‘s. Irgendwann muss doch…..also noch eine Runde.

Als Du den Tisch verlässt hast Du bereits 2/3 von alle dem verspielt, was Du hattest. „Aufhören wenn es am Schönsten ist“, so lautete die Regel. Aber Du kannst nicht. Nicht mehr. Du willst den verlorenen Einsatz wieder rausholen. Mindestens. Und zwar rasch. Du versuchst ein anderes Spiel.

7 Eleven soll es richten. 2 Würfel. Rot. Ein Paar. Wer wagt gewinnt. Du bekommst etwas Kredit. Noch eine kleine Chance. Um‘s wieder Wett zu machen. Gehst wagemutig All-in. Doch: „Alea iacta est.“ Du weisst es. Die Würfel waren schon gefallen, bevor Du zum Wurf ansetzt. Keine 7. Kein Gewinn. Alles verloren.

Niedergeschlagen verlässt Du das Casino. Gehst auf die Strasse. Der Morgen graut. Und grauen wird es auch Dir. Wenn Du später Bilanz ziehst. Feststellst das Du mehr gegeben hast, wie Du wolltest. Ein Blick auf den Schuldschein des Casinos zeigt es Dir. Du bist bankrott. Innerlich. Denn Du hast Dein Herz verspielt. Und Deine Seele an den Teufel verkauft. Nur um nicht völlig zu Grunde zu gehen.

So ist das. Mit der Liebe. Dem Spiel. Und dem Glück. Wir verzocken unsere Herzen. Immer wieder. Es ist wie eine Sucht. Die niemals endet.

12 Kommentare

  1. Ich finde das sehr traurig, dass du das so siehst mit der Liebe und wünsche dir, dass du auch andere Erfahrungen machen kannst. Nämlich dass dich z.B. auch eine Beziehung, die sich nicht so entwickelt, wie du es wolltest zu dir führen kann, dass sie dir Spiegel ist, immer. Es braucht den Mut hinzusehen, was du im Spiegel erkennen kannst. Ein Casino hingegen lenkt dich immer von dir ab. Siehst du die Liebe nur als Spiel wie im Casino? Ist sie bloß ein Zeitvertreib? Was ist das Ziel für dich, dich auf eine Liebe einzulassen? Ich brauche keine Antwort auf diese Fragen, aber vielleicht helfen sie dir andere Erfahrungen zu machen?
    Herzliche Grüße
    „Benita“

    • Sali Benita,
      Ich vergleiche es lediglich miteinander.
      Im Casino, wie auch in einer Beziehung, gibt es Augenblickliche, da ist man voll da. Im Hier & Jetzt. Und in anderen, da ist man abgelenkt. Sieht nichts mehr. Schon gar nicht sich selbst.
      Das mich Beziehungen zu mir selbst geführt haben: davon handelt mein Blog. Vielleicht sollte ich präziser schreiben?
      Ansonsten nehme ich jede Welle, um mein Leben zu surfen.
      Liebe Grüsse aus Züri
      Christian

      • Servus Christian,
        Ja, es irritiert mich dieser Vergleich, auch von dir. Was ich bisher gelesen hatte, zeigte mir ein anderes Bild. Aber ich gestehe, dass ich noch zu wenig auf deinem Blog gelesen hab. Das sollte ich nachholen.
        …. Ich habe diesen Vergleich Liebe und Sucht schon einmal wo anders gelesen und debattiert. Und das Spiel im Casino ist ein suchtartiges Ausleben von Fantasien, die Glück mit Geld gleichsetzen. Im Casino kannst du noch so sehr da sein, du wirst dich nicht finden. ….. Ich verstehe den Vergleich nicht, bzw. finde ihn eben traurig, weil er für mich nicht Liebe darstellen kann. Aber vielen Dank, für den Text, dass du dich geöffnet hast und versuchst etwas zu beschreiben, dass dich bewegt. Ich mag deine Art zu schreiben.
        Wellen nehmen um das Leben zu surfen gefällt mir sehr gut.
        Liebe Grüße aus Wien
        „Benita“

  2. Es ist ein trauriger Vergleich, denn „die Bank gewinnt immer“. Mir gefällt die Sicht „Pech im Spiel, Glück in der Liebe“ besser.

  3. Emotionsresonanz fühl ich auch bei diesem Text, aber: für mich ist der Vergleich mit den Casinospielen nicht stimmig. Im Casino bin ich allein und spiele gegen unbeeinflussbare Wahrscheinlichkeiten. Liebe beinhaltet aber nicht nur mich und ich spiele nicht allein.

    • Vermutlich ist niemand im Casino allein. Und auch in der Liebe gibt es unbeeinflussbare Wahrscheinlichkeiten. Was auch gut so ist. Sonst wäre die Beziehung nämlich manipulativ.
      Letztendlich ist das ganze Leben ein Spiel. Und es wäre traurig gerade die Liebe nicht als solches anzusehen.

      • Lass mich präziser formulieren:
        Bei den genannten Casino-Spielen ist das einzig Beeinflussbare, ob ich spiele oder nicht. Auf den Verlauf habe ich keinen Einfluss (es sei denn, ich raste aus, aber von sowas geh ich nicht aus). Wenn es es sich bei einer Liebe tatsächlich um Liebe handelt, hab ich deutlich mehr Optionen, ausser zu setzen oder halt nicht zu setzen.
        (Aber: natürlich ähneln sich die Verlustgefühle und die Ohnmacht.)
        Ich persönlich seh Liebe definitiv nicht als Spiel. (Traurig? Vielleicht.) Dafür beeinflusst sie zu viele Lebensbereiche (nämlich alle) und die Verantwortung für Emotionen (eigene, aber auch die der anderen) ist zu gross.

        • Das tönt ja, wie wenn man bei der Liebe keine Wahl hätte. Meines Erachtens hat man die aber sehr wohl. Ich kann mich entscheiden jemanden nicht zu lieben. Und ich habe das auch schon getan. Sehr bewusst sogar.
          Gleichzeitig hat man in einer Beziehung sehr oft auch keinen Einfluss auf den Verlauf.
          Und mal von der Menge an Optionen abgesehen, die manche Spiele bieten, oder eben auch nicht, so ist eine Beziehung für mich damit vergleichbar. Immerhin handelt es sich hier um eine Metapher, nein?
          Natürlich beeinflusst Liebe viele Lebensbereiche. Allerdings geht es hier ausschliesslich um die in einer Beziehung.

          • Ah OK. Danke, dass du dir Zeit für die Erklärung genommen hast – so kann ich das Bild besser nachvollziehen und ich finds nun doch passend. Das eine & das andere einzelkämpferisch, und allein entscheidbar. Das ist dann wohl tatsächlich wie im Casino.

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