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Re-birth

Eigentlich wollte ich heute etwas zum Thema Leid, Schmerz und Tod schreiben, Darüber, wie weit sich Menschen treiben lassen, wenn sie sich zu sehr für andere öffnen. Angreifbar werden. Weil sie sich selbst vergessen haben. Im Laufe der Zeit. In einer Beziehung. Gerade in einer Beziehung. Und sich schlussendlich darin verlieren. Auch sich selbst.

Aber…..danach ist mir heute, ganz speziell heute, nicht der Sinn. Und so merkwürdig sich das derzeit anhören, oder lesen mag: das Leben ist viel spannender. Jeden Tag. Wenn man seine Augen nur weit genug öffnet. Und neugierig bleibt.

Seit einem Jahr (er-)lebe ich (in) jeden neuen Tag. Intensiv. Ich habe für mich entschieden das ich das so möchte. Viele Dinge hatten sich bereits im Vorfeld geändert. Andere erst im Anschluss. Man entwickelt sich stetig weiter. Mit jedem neuen Tag. Natürlich habe ich Pläne für die Zukunft. Und selbst in Zeiten einer weltweiten Pandemie bietet uns dieser Planet so viele Optionen. Wenn auch mitunter etwas langsamer. Oder auch ungewöhnlich. Jedoch gibt uns auch jeder Augenblick so viel. Wenn wir uns dessen einfach bewusst sind. Unser Augenmerk in einer besonderen Form auf eben genau diesen lenken. Und ihn geniessen. 

Natürlich läuft auch in meinem Leben nicht immer alles glatt. Aber durch die Reduktion von Störenfrieden und einem genaueren Blick darauf, wenn man in sein Leben lässt, wird es friedlicher. Und wenn es mal beruflich gerade nicht so läuft, dann rufe ich mir in Gedanken, dass meine Kollegen es derzeit auch nicht einfach haben. Das ist menschlich. Geradezu. Und auch solche Augenblicke gehen vorüber. Negatives verschwindet zwar niemals ganz. Aber ab und an überwiegt auch das Positive. So gleicht es sich wieder aus. Und man kann Kraft tanken. 

„Nichts im Leben belastet mich so sehr, dass ich daran verzweifle.“ Diesen Satz hat mir mein Papa vor vielen Jahren in einer Mail mit auf den Weg gegeben. Und ich hab gigantisch lange gebraucht, um ihn nicht nur zu verstehen, sondern tatsächlich zu verinnerlichen. 

Meine Mum schreibt mir seit über einem Jahr „Guten Morgen“. Jeden Tag. Und ich antworte ihr. Alleine für diesen Augenblick lohnt es sich doch schon jeden Tag wieder aufzuwachen.

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Komm, wir üben mal Kritik.

Was für eine verrückte Zeit, in der wir leben. Ein Virus, Gesichtsmasken, Social distancing, Ungewissheit und keine Sicht auf Besserung. 

Menschen gehen auf die Strassen. Tausende. Überall. Weltweit. Und aus unterschiedlichen Beweggründen. Schwer bewaffnete Polizisten die mitunter scheinbar wahllos auf Demonstranten einprügeln. Panik. Schreie. Was für ein Wahnsinn. Alles wirkt so furchtbar surreal. Es ist, wie in einem dieser unzähligen, futuristischen Endzeitfilmen. Mad Max, Teil 1. Kurz vor Anarchie. 

Dabei haben wir doch alles. Nein? Fliessendes und (zumindest noch) ausreichend Wasser. Ein Dach über dem Kopf. Wir können auf die Strasse gehen. Ohne die Angst haben zu müssen das wir überfallen werden. Oder, wie derzeit oft aus Minsk zu sehen, von irgendwem in ein Gefängnis gebracht zu werden. Folter inklusive. 

Wir haben die Option auf eine freie Nutzung des Internets. Auch Zugang zu sozialen Medien. Dort blasen wir dann unsere Meinung frei raus. Ohne Unterlass. 

Ich, mir, meins, wir. Gruppen, Blasen, Interessengemeinschaften. Alle machen sie Gebrauch von Ihren Grundrechten. Die ihnen der Staat zugesteht. Wofür wir stehen. In unserer Demokratie. Dem Rechtssaat. Ja, was wir dürfen, was wir glauben tun zu dürfen, was wir meinen was uns alles zusteht. Gottgegeben. 

Und wehe das nimmt uns jemand weg. Jemand bevormundet uns. Dann, aber dann…und schon reissen die ersten den Mund auf. Parolen werden skandiert. Leute aufgehetzt und aufgewiegelt. Und dann ist auch schon Stimmung. Vom Löndle, über den Pott bis (Ex-)DDR Land und Berlin. Sowieso. 

Was fehlt eigentlich? Bildung? Schwer vorzustellen, in einem Land in dem Bildung nahezu kostenlos ist. Schulpflicht herrscht. Historisches Wissen? Hat n-TV schon dicht gemacht? Ich weiss es nicht. Hab ja keinen Fernseher mehr. 

Was fehlt? Regulation? Müssen die sozialen Medien mehr tun? Oder wäre das nicht eigentlich eine Einschränkung unserer Grundwerte? Schon, oder?

Ethik & Moral? Polizisten anspucken, Politiker anpöbeln, gegen alles auflehnen. Ist ja eine GmbH. Und unter dem Kaiser war sicher alles besser. Wahnsinn. Ich hör die Toten von Verdun bis hierher stöhnen. 

Also, was fehlt? Ein veganer Koch wittert seine Chance. Sieht sich als Führer der freien Welt. Als Aufklärer. UNICEF, Gates, UN, Friedensvertrag etc. Kann man ja nachlesen. Steht alles im Netz. Weil dort nur die Wahrheit steht. Der konsolidierte Hirnfurz einer Gesellschaft, die glaubt den Durchblick zu haben. Alles bare Münze. Denn: DU KANNST ES JA SELBST NACHLESEN UND 1 UND 1 ZUSAMMENZÄHLEN! Und wenn nicht? Dann kannst Du kein Mathe. 

Nun, was fehlt? Ich weiss es nicht. Komplex denken können wir Menschen. Und Worte überzeugen viele. Vor allem wenn sie in die richtige Struktur gebracht werden. Von den richtigen ausgesprochen. Kennedy. Das ist ein Name mit Klang. Gerade in Berlin. JFK. Sowieso. Viele erinnern sich. Wenige waren tatsächlich dabei. Damals. Als es noch den Unrechtsstaat DDR gab. Die Stadt selbst geteilt. Genau. Und weil JFK bereits tot ist, da tut es eben auch ein Nachfahre. Der Dinge publiziert, die MÜSSEN JA WAHR SEIN. 

Was für eine verrückte Zeit. In der wir leben. 

Tatsächlich jedoch hört keiner mehr dem anderen richtig zu. Jeder hat recht. Automatisch. Weil alle die Weisheit mit Löffeln gefuttert haben. Und das schon seit mindestens immer. Daher nehmen wir uns auch das Recht raus jeden zu bewerten und zu beurteilen. Ganz wichtig. Selten zeigen wir dabei jedoch Lösungen auf. Ist ja auch nicht unser Job. Dafür kassieren andere immerhin viel Knete. Um Lösungen zu bringen. Da kann man dem Spahn schonmal an den Kopf dallern, dass er es während dem Lockdown übertrieben hat mit den Massnahmen. „Hab ich ja schon immer gewusst!“ – echt? Hast Du? Und was genau war Deine Lösung? Was genau hast Du, das Grundgesetz ermöglicht Dir hier viele Optionen, tatsächlich getan? Um diese Lösung an den Mann zu bringen? Und ich spreche hier nicht von nem lächerlichen Instagram Bildchen, auf dem Du grölend eine Reichskriegsflagge, auf den Stufen des Reichstags schwenkst. Was war Deine Lösung, Dein Konzept? Keins? Oder kennst Du nur die Artikel 5 und 8? 

Also, ich möchte wirklich niemanden entmutigen, aber ein bissel mehr logical thinking wäre angebracht. Auch bei Kritik. Hinterher zu sagen: „Mit 100km/h gegen eine Mauer zu fahren, ohne zu bremsen, ist dumm“, hat noch niemandem geholfen. Ebenso sind die Unkenrufe, dass Massnahmen überzogen waren. Wobei wir nichtmal überblicken können wie gut sie tatsächlich gegriffen haben. 

Und dann diese ganzen Schadenfreude. Darüber das sich andere geirrt haben. Wie gross muss das eigene Ego dafür sein? Und wie klein der Geist? 

Doch es sind nicht nur Wutbürger, Querdenker, Telegram Aktivisten und andere Verblendete, die dieser Tage aufwarten. Nein. Jeder hat eine Meinung. Manche eine eigene. Andere wiederum die von anderen. Mit gleichem Tenor. Da wird dann darüber philosophiert, warum die Polizei bei gewaltbereiten Black Block / G20 Demos gleich Wasserwerfer einsetzt. Während man eine, von braunen Verfassungsfeinden unterwanderte, Demonstration mit Heilpraktikern, Pädagogen, Schwurbelspinnern und Kindern versetzte Demo nicht gleich mit der VOLLEN HÄRTE, MIT SCHLAGSTOCK UND RÄUMPANZER  gewaltsam auflöst, Am besten alle gleich richtig traumatisierten. Damit sie es lernen.

Was genau unterscheidet jetzt die eine von der anderen Seite? Ach so, Du bist ja keine Nazis. Ok. Ich Dummerchen. 

Sind wir mal ehrlich: so ganz ohne Charme scheint für die Masse der Menschen, egal welchem politischen Spektrum angehörig, das Konzept der Diktatur derzeit nicht zu sein. Denn alle wollen Chef sein. Und ganz furchtbar viele trauen sich das auch zu. Erschreckend. Finde ich. 

Was mir persönlich am meisten fehlt ist die Zurückhaltung. Die Wahrung der Form. Moral und Ethik. Und, dass die Menschen wieder mehr Vertrauen in die Politik bekommen. Letztere glänzt nämlich gerade sehr durch unsäglich geistige Abwesenheit, unklaren Ansagen (resultierend aus fehlendem Wissen und hektischer Betriebsamkeit) und Einigkeit. Denn, wie möchte man Menschen einen, wenn man oben nichtmal weiss wie das funktioniert? 

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Verwurzelt im Leben

Radikal, ein hartes Wort. Und doch benutzen wir es häufig. Handeln ebenso. Radikalität ist das Neue: „von Grund auf verändern“ – Hauptsache anders wie zuvor. Wurzel, lateinisch ‚radix‘, ist der Ursprung dieses Wortes. Demnach wäre ein radikaler Wandel das komplette Re-Engineering einer Struktur. Aber auch die des Geistes. Unseres Inneren.

In der Phonetik bezeichnet man den Laut der Stimmbildung als ‚Radikal‘. Selbst dies finde ich sehr passend. Wir geben uns, oder einer Sache, eine Stimme.

Sagen wir, Du hast ein Haus. Vom Keller bis zum Dachboden eine stabile Struktur. Dir gefällt die Form des Hauses nicht mehr. Oder es ist Dir zu klein. Um etwas an der Grundstruktur zu ändern wäre es ratsam, das Fundament im Keller auszubauen. Zu erweitern. Verstärken. Direkt an der Wurzel. 

Radikal bedeutet nicht ‚Extremismus‘. Denn dies wäre nur eine möglich Konsequenz. Man kann etwas verändern, ohne gleich komplett intolerant zu werden, oder in einem totalitären System aufzuwachen. Aber genau hier besteht die Gefahr. Nämlich dann, wenn Menschen Grundstrukturen verändern, ohne Klarheit über die Nachfolgende zu haben. In seiner Auswirkung.

Bezogen auf das Beispiel mit dem Haus, würde man den Keller einfach sprengen. Eine extreme Massnahme. Mit klar ersichtlichem Resultat: das Haus würde einstürzen. Und man steht erstmal ohne Bleibe da.

Übertragen auf das Leben ist es genau so. Du kannst Dich radikal ändern. Gerade bei Menschen, die plötzlich einer Religionsgemeinschaft beitreten ist das oftmals zu beobachten. Da wird plötzlich gebetet, dem Glauben ein Stimme gegeben. Es werden alte Schriften zitiert. Und man beginnt nach den Grundsätzen dieser zu leben. 

Vermutlich werden das nicht alle Menschen im Umfeld sofort verstehen. Wenige werden dafür bereit sein. Weder ihr bisheriges Leben aufzugeben. Mitzuziehen. Noch werden sich alle anschliessen. Und nochmal ein paar wenige werden diese Glaubenssätze teilen. Gar ablehnen. Eine Aversion entwickeln. Widerstand wird erzeugt. Es kommt zu Reibereien und Spannungen.  Und genau dann, in diesem Augenblick nämlich, wird der Grundstein für Extremismus gelegt. Alle die anders denken, handeln, fühlen, sind plötzlich der Feind. 

Übrigens ist es völlig egal, ob Du das nun auf politisch motivierte, Christen, Moslems, Scientologen, oder gar Buddhisten ummünzt. Ich für meinen Teil habe derart radikalen Wandel bei allen genannten Beispielen beobachtet. Erlebt. Und so willkommen ich eine Strukturveränderung für gut heiße, Extremismus ist der Wahnsinn.

Aus diesem Grund stehe ich genau hier. Fest verwurzelt. Wie eine Mauer. Und leiste Widerstand. Weil jede Form von Extremismus uns genau dahin gebracht hat, wo wir heute sind.

Vielleicht erkennst Du nun den Unterschied. 

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GFK Karte der Woche 3/58

Montag früh. Und während ich mir bewusst mache, dass ich mein Tellerchen aufgegessen hatte gestern, plätschert der Regen vor sich hin. Es ist ein milder Sommerregen. Allerdings geht das bereits seit Stunden so. Zumindest ist es nicht meine Schuld. Demnach kann ich beruhigt sein.

Zeit eine neue GFK Karte zu ziehen. Selbsteinfühlung. Spannend. Also nicht zu streng mit sich selbst sein. Vor allem keinen Selbsthass entwickeln. Puh!

Nun ist es nicht so das ich mich nicht mag. Gut, es gab schon andere Tage. Aber derzeit mag ich mich extrem. Ich bin liebevoll gegenüber meinen Mitmenschen. Ganz sicher sogar. Was allein schon daher rührt, da ich keine ironischen, gar sarkastische Aussagen treffe. Probleme behandle ich seit ein paar Wochen sogar eher belustigt. Freudig. Und lachend. Alleine das ich lache fällt anderen Menschen auf. Und sie begegnen mir ebenfalls weniger ernst. Ich empfinde das positiv. Weswegen ich das erstmal so lasse.

Meine Work-Life-Balance ist durchaus sehr ausgewogen. Was mich schon etwas stolz macht. Weil ich mitunter kein Maß gefunden hatte. Dafür mag ich mich auch.

Selbstfürsorge steht für mich mehr im Fokus denn je. In allen Belangen. Daher grenze ich mich auch besser ab. Menschen, mit denen die Kommunikation zu schwierig ist, aus dem Ruder läuft, gar gemein und respektlos, halte ich mir gänzlich fern.

Mein inneres Wohlbefinden gibt mir Kraft und Ruhe (nicht zu verwechseln mit Stille). Diese Ruhe sorgt dafür, dass ich morgens ganz entspannt vor dem Spiegel stehen kann. Ohne den Wunsch zu haben, mit der Faust reinzuschlagen. Ich mag mich dafür.

Es sind kleine Schritte. Mögen sie für andere ohne Bedeutung sein. Für mich sind es Erfolge. Resultierend daraus, dass ich beschlossen habe das mich dieses Leben und vor allem kein Mensch mehr so beutelt, dass ich daran verzweifle. Und kaputtgehe.

So. Freudigen Start in die Woche wünsche ich Euch. Umarmt Euch selbst ganz herzlich. Ich tue das auch.

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Blumen

Ich liebe Blumen so sehr. Wenn ich in diesem Leben nicht noch Florist werde, dann habe ich gute Chancen im nächsten als Blume wieder-geboren zu werden.“ ~Kritikverloren

So lange konnte ich die Kamera nicht anfassen. Sie lag da. Mit all dem Equipment. Und ich konnte es einfach nicht, Seit fast einem Jahr habe ich es nicht fertiggebracht die Kamera in die Hand zu nehmen. Bis letzte Woche. Und jetzt? Das ist jetzt das 3x diese Woche und ich merke, wie mehr und mehr Freude in mich und mein Leben zurückkehrt.

Und überall sind Blumen. So viele bunte und farbenprächtige. Am Wegrand. Auf Verkehrsinseln. Auf den Feldern. Überall.

Was mich überrascht: kaum jemand scheint sie wahrzunehmen. Sie sind halt da. Situation: gegeben. Aber nichts ist gegeben. Sie werden eingesetzt. Gepflegt. Und verändern das Stadtbild. Aber in gut. Nicht alle wissen das zu schätzen. Manche bekommen es nichtmal mit. Traurig. Irgendwie.

Daher fotografiere ich sie. Um ihre Pracht, die so vergänglich ist, festzuhalten. Ausserdem bin ich entzückt, wieviele Details man sichtbar machen kann. Bildschärfe. Fokussiert. Mit einem weichen Bokeh. Gerade bei Blumen hat das so viel Aussagekraft. Zauberschön.

Wenn Sie also mal durch Züri laufen und jemanden auf dem Boden, kniend, liegend, vor einem Blumenkübel, an der Strassenbepflanzung, mit einer Kamera sehen, sprechen Sie mich ruhig an. Und sagen ‚Sali / Hoi / Hallo‘. Ich werde Sie auch sicherlich nicht beissen.

Equipment: Sigma 24-70mm f2.8 Art, auf der Nikon D850 – ich bin völlig begeistert.

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