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Präsenz durch Akustik

Wir Menschen haben eine Vielzahl von natürlichen Antennen. Neben unserer Intuition und einigen anderen, gehören dazu unsere Sinnesorgane. Sie reagieren auf optische, akustische, mechanische oder chemische Reize. Senden Informationen an unser Gehirn, das diese dann verarbeitet.
Die Anzahl unserer Sinne kann variieren. Daher gibt es unterschiedliche Ausprägungen. Nichtsehende Menschen, zum Beispiel, nehmen viele Informationen über das Fühlen wahr. Über die Haut. Während für gehörlose Menschen die optische Wahrnehmung sehr wichtig ist. Im Laufe unseres Lebens können wir auch Sinne verlieren. Wofür es mannigfaltig Gründe gibt.

Für mich sind Sinne ein sehr wertvolles Geschenk der Natur. Und auch bei mir haben sie unterschiedliche Ausprägungen. Die meisten Informationen nehme ich mit den Augen auf. An manchen Tagen ist die Flut an Informationen so gross, dass ich abends gerne auf dem Sofa liege. Und einfach nur die Augen schliesse. Zur Entspannung. Aber auch mein akustisches Sinnesorgan ist sehr ausgeprägt. In meiner Jugend habe ich gerne überaus laute Musik gehört. Vorzugsweise elektronische. Und sicherlich höre ich ab und an heute noch ganzes Sets. Jedoch nicht mehr in der Häufigkeit. Und auch weniger laut. Generell achte ich sehr darauf, was ich meinen Ohren zumute. Und welchen Input ich aufnehme. Die meiste Zeit, meiner frei zu Verfügung stehenden, verbringe ich in Stille.

Natürlich führe ich Telefonate. Das ergibt sich zwangsläufig. Allein schon durch das Homeoffice. Und seit dem Lockdown telefoniere ich täglich mit meinen Eltern. Auch beim Einkauf gibt es kurze Gespräche. An der Kasse. Grundsätzlich jedoch ist die Anzahl an geführter Kommunikation durchaus gering. Man könnte sagen: auf ein absolutes Minimum reduziert. Daher spreche ich auch nur selten. Höre auch meine Stimme tatsächlich nur, wenn ich mit anderen Menschen agiere. Oder mit meinem Buddha plausche. Ansonsten herrscht Stille. Tatsächlich.

Mittlerweile nehme ich Umweltgeräusche deutlich intensiver wahr. Ebenso Stimmen. Von erwachsenen Menschen. Gerade wenn sie mir fremd sind. Neu. Ich habe es zuvor schon einmal erwähnt, dass ich grundsätzlich, keine quäkenden, quietschenden, zu laute Geräusche mag. So verhält sich das auch mit Stimmen. Bestimmte Tonlagen führen bei mir zu einer kompletten Reizüberflutung. Die Anzahl der zu verarbeitenden Informationen ist mitunter sehr gross. Und macht es mir schwierig der Konversation zu folgen. Denn ich achte nicht nur auf die Frequenz. Den Klang. Sondern auf viele weitere Faktoren. Die Tonalität. Die Betonung von Worten. Das Tempo. Mit dem Sätze gesprochen werden. Jede noch so kleine Nuance bringt eine neue, zusätzliche Information mit sich. Selbst Pausen. Das alles ist erstmal nicht schlechtes. Aber wenn ein Wort alleine schon zig Informationen enthält, wie ist das dann mit einem ganzen Satz? Andrea Nahles oder Phillip Amthor (diese Stimmen dürften vielen bekannt sein) möchte ich gar nicht zuhören.

Wenn ich also eine Stimme toll finde, dann bedeutet das im Umkehrschluss, dass ich in einem Gespräch tatsächlich präsent bin. Ein schöneres Kompliment kann man einem anderen Menschen eigentlich fast nicht machen. Oder wie siehst Du das?

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