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Ritualpflege

Zwischenmenschliche Beziehungen brauchen Rituale, finde ich. Diese kleinen, für andere meist nicht offensichtlichen, Riten. Unwesentlich erscheinende Details. Und doch so essentiell für eine Beziehung. Für den Umgang. Miteinander. Das wussten schon unsere Ur-Vorfahren. Und auch sie hatten ihre Bräuche. Praktizierten diese schon lange bevor es Religionen gab. Aus allen erdenklichen Gründen. Meist jedoch, um ein Hindernis zu überwinden. Einen Weg zu ebnen.

Und auch heute lernen wir bereits als Kind gewisse „Rituale“ kennen. Meist mit dem Hintergrund, bestimmte Tätigkeiten in unsere Tagesroutine übernehmen. Vieles machen wir dann irgendwann automatisch. Wir nehmen sie fast nicht mehr wahr. Und wenn, dann nur unbewusst. Sie werden zur Gewohnheit.

Aber ein richtiges Ritual hingegeben, ist Ausdruck einer bewussten Handlung. Und von unschätzbarem Wert. Sie schaffen Verbundenheit. Festigen die Bindeglieder, welche regelmässig gewartet werden müssen. Da sie sich rasch abnutzen. Und irgendwann reissen.

Solch kleine Zeremonien lassen sich leicht in den Alltag einfügen. Eine sanfte Umarmung. Ganz beiläufig. Und doch eine innige Geste. Ein Liebesbeweis. Spürbar. Bewusst. Ein Ritual kann sich auch in Dialogen äussern. Die vielleicht mit immer der gleichen Floskel enden. Oder das ein Kuss-Emoji mit einer Lese-Bestätigung quittiert wird. Diese kleinen Dinge, die man am anderen so mag. Alles dient der stetigen Erneuerung.

Freilich, über eine gewisse Zeit verändert sich manches. Oder fällt sogar ganz weg. Das ist dann der Augenblick, in dem unser Bewusstsein uns prüft. Nämlich dahingehend, ob wir uns dessen gewahr sind. Wenn wir nämlich achtsam sind, dann fällt uns das auf. Steuern gegen. So wesentlich sind Rituale. Zumindest für mich.

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