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Stilkontrabluff

<… der Koch serviert ein Wortspielmenü

Für die ganze Grimassenmühe eurer Köpfe

Klischee Kaspergeschöpfe

Ich öffne die Töpfe und schöpfe, klangvoluminösen Dampf

Mit dem ich pikant voll Dampf durch euer Nervensystem stampf

Mampft Wörter die ich verquirle, damit ich durch Gehirne wirble…>

[Advanced Chemistry, 1996]

Ursprünglich war ‚Kritikverloren‘ ein Projekt. Mit dem Grundgedanken hier und da Feedback zu geben. Unter der Prämisse, das Kritik immer konstruktiv sein sollte. Denn nur so können Menschen auch Dinge (Kritik) annehmen.

Und zu Beginn fanden sich hier auch tatsächlich Blogbeiträge darüber. Über Themen, die sich nicht mal eben in einem Tweet verfassen haben lassen. Über Dinge, die mich beschäftigt haben. Auch über Bücher. Hier und da mal eben etwas Kritik verlieren. Doch plötzlich kam alles anders.

Unzählige Einflüsse, sei es von Innen, oder von Aussen, stauten sich zusammen auf. Mein Weltbild veränderte sich. Während mich die Welt versuchte in ihrer Struktur zu halten. Einzuquetschen. Doch die besagte Struktur war nicht statisch. Sondern entwickelte sich. Und zwar rasant. Mit zunehmendem Druck. Wobei ich mich jeder neuen Struktur anpassen musste. Während mein Inneres versuchte den Widerstand aufrechtzuerhalten. Meine Form. Bis alles platzte. Mit einem lauten Knall. Mein ganz eigener Urknall. Und weil dieser Blog gerade verfügbar war, habe ich ihn umgemodelt. Um mich mitzuteilen. Einem ganz bestimmten Menschen. Weil mir das nicht gefiel, wie ich gesehen wurde.

Geschrieben habe ich schon immer gerne. Und oftmals, schon zu Schulzeiten, wollte ich tatsächlich Schriftsteller werden. Fantasie habe ich ausreichend. Sogar dafür. Vielleicht auch, weil ich immer viel gelesen habe. Ich liebte es zu schmökern. In Bibliotheken abzuhängen. Oder abends unter der Bettdecke zu lesen. Stundenlang. Auch heute noch. Wobei es mehr Hörbücher sind, die ich konsumiere. Dabei achte ich sehr auf Tonalitäten. Ich mag keine schrillen, quietschende oder zu laute Stimmen. David Nathan (liest mit Masse die Bücher von Murakami) zum Beispiel, hat eine sehr angenehme Stimme. Da höre ich auch schonmal 8 Stunden am Stück zu. Völlig entspannt.

Doch wie und was schreibe ich? Im Frühjahr 2019 habe ich „Rohstoff“ von Fauser gehört. Vorgelesen von Lars Eidinger. Und, was soll ich sagen? Jeder Schreiberling hat seine Technik. So schreibt Murakami seine Bücher zuerst in Englisch. Und lässt sie danach rückübersetzen. Andere lesen Bukowski, bevor sie ein neues Buch schreiben. Und ich? Tja nun, ich hatte angefangen meine Texte mit der inneren Stimme von Lars Eidinger zu schreiben. Wenn ich was schrieb, dann mit seiner Stimme. Im Hinterkopf. Klang es nicht gut, stellte ich den Satz wieder um. Bis es eben passte. Klingt verrückt. Mag sein. Jedoch war das aber vor allem in der Zeit hilfreich, in der ich selbst nicht mehr wusste wer, was oder das ich bin. Heute vertone ich Teile meines Blogs selbst. Gebe meinen Beiträgen selbst eine Stimme. Meine eigene.

Und obwohl ich die Schreibstile manch anderer Schriftsteller mag, so habe ich meinen eignen. Sie kommen aus meiner Gedankenwelt. Aus ganz unterschiedlichen Augenblicken entstanden. Meist kurze Sätze. Verständlich. Kurz. Prägnant. Vielleicht auch, weil Kommasetzung nicht so meins ist. War sie nie. Doch meine Texte sind authentisch. Kein Bluff. Spiegeln Teile meiner Seelenwelt. Zeigen einen Weg. Nämlich den der inneren Transformation. Meiner. Ohne den Anspruch darauf, dass dies bei anderen ebenso funktioniert.

Manchmal brauche ich etwas Zeit. Um mir über ein Thema Gedanken zu machen. Die Antwort auf eine Frage zu finden. Über die Intention. Wie auch die Emotion. Letztendlich handelt es sich aber um Beobachtungen. So wie in meinen Kurzgeschichten. Letztere gehen meist sehr schnell. Aus einem Augenblick heraus. (Wer meine Blogbeiträge aus Berlin kennt, dem ist vielleicht aufgefallen das sie alle in sehr kurzer Zeit publiziert wurden.)

Das ich mich selten an klassische Regeln halte (Einleitung, Hauptteil, Schluss) sehe ich für mich als eignen Stil. Es ist nicht wirklich beabsichtigt. Nur, wieso nicht auch hier mal gewohnte Strukturen aufbrechen?

Und dann lassen sich aus den Überschriften meist die Inhalte nicht ablesen. Rebellion. Genau. Ich bin mit den Texten von ‚Nirvana‘ aufgewachsen. Und so ist die Überschrift eine kleine Homage. Denn Kurt Cobain gab den Songs manchmal einen Titel, der sich nicht im Text wiederfand. (‚Smells like Teen Spirit‘ zum Beispiel)

Wenn Du also zukünftig diesen Blog liest, oder Dir alte Beiträge anschaust, so hast Du vielleicht diesen Eintrag im Hinterkopf. Und vielleicht ergibt sich daraus eine ganz neue Art meine Texte zu lesen. Zu verstehen. Oder zu interpretieren. Vielleicht.

Für mich persönlich ist es eine Freude. Zu schreiben. Zu publizieren. Und es lässt mich lächeln, wenn Menschen meine Texte lesen. Weil Freude etwas sehr Schönes ist.

Liebe Grüsse aus Züri & bleib gesund

Kritikverloren

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