Permalink

1

Subjekt, Prädikat, Objekt

„Ich liebe Dich“, ist der Satz der am meisten Schaden anrichtet. Wenn er sich als unwahr herausstellt. Dabei ist dieser Satz so wunderschön. Er klingt bezaubernd. Und es gibt vermutlich nur wenige Menschen die ihn nicht gerne hören.

Die Worte in diesem Satz haben eine solche Wucht, sind so mächtig und sind dennoch ganz klar. Minimalistisch. Drückt er doch mit der einfachsten, grammatikalischen Regel alles aus. All die Zuneigung, Wärme und Zusammengehörigkeit die man empfinden kann. Bezogen auf 2 Personen. Dem engsten Verbund zwischenmenschlichen Seins.

Leider wird eben genau dieser Satz sehr inflationär eingesetzt. Diametral zu dem enormen Seltenheitswert den er inhaltlich ausdrückt. Manche Menschen beten ihn täglich sogar mantraartig runter. In dem Irrglauben: „Viel hilft gut.“ Oder auch nur um sich selbst Mut zuzusprechen.

Ich persönlich kann den Satz nicht mehr hören. Erzeugt er in mir doch sofort ein Unwohlsein. Das in einem frostigen Nackenschauer mündet. So oft habe ich ihn die letzten Jahre gehört/gelesen. Als Empfänger. Eigentlich schön, nicht wahr?

Erfahren habe ich aber alles. Nur eben selten Liebe. Schon gar keine echte. Neben dem Vorgaukeln falscher Tatsachen und anderer Illusionen, erfuhr ich etwas, dass so gar nicht mit der Bedeutung dieses Satzes korrelierte: Herzenskälte.

Unsagbare Minusgrade. In jeglicher Hinsicht. Einst waren die ausgetauschten Küsse feurig wie ein Vulkanausbruch. Zum Ende hin jedoch eher frostig. Wurden leidenschaftslos erwidert. Berührungen, die zuvor eine angenehmen Gänsehaut und Herzklopfen hervorriefen, waren nur noch ein Indikator dafür miteinander ins Bett zu wollen. Wo es ebenso kalt war. Kurze Schneelawinen, anstatt langsam fliessende Lavaströme.

Auch sonst verkam das einstige Dream-Team zu einem eiskalten Statistenpärchen, dass seine Rolle auf der Weltbühne nur zu perfekt spielte. Gemeinsames und Intentionen, waren vergangen. Die Liebe: erfroren. Innerlich. Inmitten all der Konjunktive und „Ich liebe Dich.“

„Ich liebe Dich.“ – Nein, Du liebst mich nicht. Du liebst nur Dich. Denn mich liebst Du schon lange nicht mehr. Gesehen, das hast Du mal geschrieben, habe ich das schon früh. Realisiert aber hab ich es erst an dem Tag, an dem mir klar wurde das Du sogar mein Ableben in Kauf genommen hättest. Nur um Deinen Weg zu gehen. Dein Weg von Mitgefühl und Liebe. Ich lache immer noch. So surreal klingt das für mich. Wahnsinn. Konserviert im ewigen Eis.

Wer „Ich liebe Dich“ ausspricht hat den Satz m.E. nicht verstanden. Denn eigentlich sollte man ihn nie aussprechen. Sondern eher danach handeln. Und wenn man ihn sagt, dann sollte man jedes einzelne Wort auch eben genau so meinen. Immer. Denn sonst ist es einfach nur ein wunderschöner Satz. Ohne Bedeutung.

1 Kommentar

  1. Pingback: Erlebnisse in C-Mol | | kritikverloren

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.