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Teach me to feel lonesome

Einsamkeit ist tatsächlich ein sehr schwierig Thema. Durfte ich heute gerade wieder erfahren. Und der globale Lockdown macht das Ganze auch nicht besser.

Allein sein, so habe ich für mich festgestellt, ist nicht das Problem. Tatsächlich geniesse ich gerne die Ruhe. Das Runterfahren. Und die innere, wie auch äussere Stille. Sehr sogar. Aber Allein sein ist eine bewusste Entscheidung. Ein Zustand. Und ausserdem auch zeitlich begrenzt. Gehe ich zum Beispiel lange und ausgiebig spazieren, dann tue ich das für mich. Es ist mein time-out. Gewollt. Zur Entspannung. Eine meiner liebsten Achtsamkeitsübungen.

Einsamkeit hingegen ist für mich ein Gefühl.

Spontan fällt mir dazu eine Hookline ein, die das Duo Stieber Twins mal gerappt hat:

<[Hook – Scratches]

„Allein zu zweit, niemals solo, allein zu zweit

Allein zu zweit, niemals solo, allein zu zweit

Allein zu zweit, niemals solo. Mein Rap ist Poison…“ (2x)>

Und Einsamkeit ist Gift. Eben so ist es. Man kann auch zu Zweit allein sein. Jeder für sich. Aber man ist eben nicht einsam. Es gibt Berichte über indigene Völker, die mit ihrem gesamten Stamm in ihren Hütten verweilen. Dreht sich eine(r) mit dem Gesicht zur Wand, dann wird sie / er nicht gestört. Weil die anderen des Klans wissen: dieser Mensch möchte gerade für sich sein. Zwar im Schutz der Gemeinschaft. Jedoch allein mit sich und seinen Gedanken. Mal abgesehen davon, dass es sehr respektvoll ist, finde ich dieses Grundverständnis super. Denn ehrlich gesagt habe ich viele Jahre Kopfhörer aufgehabt, wenn ich mit der Bahn oder der Tram gefahren bin. Zu oft wird man in unerwünschte Gespräche gezogen. Muss sich mit Themen beschäftigen, die einen nicht interessieren. Nicht das es heuer besser ist. Nein. Im Rahmen meiner Achtsamkeit stelle ich mich diesem Problem. Und lerne mich abzugrenzen. Auch ein bewusster Entscheid.

Doch mit der Einsamkeit verhält es sich anders. Einerseits ist sie nicht frei gewählt. Andererseits entsteht daraus ein Bedürfnis. Ein Wunsch der, so meine ich, menschlich ist: Nähe.

Nur wenige Menschen sind echte Einsiedler. Sogar stillschweigende Mönche haben sich zusammengeschlossen. Um im Rahmen einer Gemeinschaft zusammenzuleben. Dort hat auch jeder eine Rolle und seine Aufgabe. Und ich glaube, dass dies ein essentieller Punkt ist, der Menschen mit einsam werden lässt. Wenn man keine Aufgabe hat, quasi keine Rolle mehr spielt, wieso steht man dann morgens noch auf? Welchen Grund hätte man dann noch? Klar, die meisten haben eine Arbeit. Und für manche reicht mitunter ein Tag nicht, um alles abzuarbeiten. Doch wir leben ja nicht um nur zu arbeiten. Arbeit eine Notwendigkeit. Das wahre Leben spielt fernab davon. Und welche Rolle hat man da, als Single? Was ist tatsächlich Lebensinhalt?

Je länger ich darüber nachdenke, um so einsamer fühle ich mich mitunter. Da ist alles. So viel. Nur eben nicht greifbar. Und wie schaut es mit Wünschen und Bedürfnissen aus? Puh. Schwierig. Sowas wie Liebe scheint es selten zu geben. Aufrichtige sowieso noch seltener. Und Glück? Nun, Glück ist so ziemlich das einzige auf diesem Planeten, dass noch seltener zu existieren scheint. Davon gibt es tatsächlich so wenig, dass jeder, der auch nur ein Tausendstel davon zu fassen bekommt, es festhält. Und selten bereit ist dies auch noch zu teilen. Daher streben wohl auch die meisten Menschen danach.

Heute wurde ich gefragt ob ich bestimmte Dinge vermisse. Auch auf der zwischenmenschlichen Ebene. Ja, das tue ich. Vor allem die Nähe und Wärme, die man bekommt. Wenn man aufrichtig geliebt wird. Und dies auch selbst tut.

Fakt ist allerdings, dass sich dies derzeit nicht ändern lässt. Und sobald diese Krise, die allzu gerne als „Umstand“ tituliert wird, irgendwann beendet sein wird, dann kann ich das vielleicht für mich lösen. Und wer weiss, vielleicht ist das ja meine Aufgabe, dies zu lösen. Und meine Rolle ist es als Schüler das Leben mehr schätzen zu lernen. Mit all seinen Facetten. Das wäre doch wunderbar. Und ein Grund dafür, auch morgen früh wieder aufzustehen.

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