Permalink

0

The story behind it

Mein Blick fixierte das Mikrofon. Vor mir auf dem Tisch. Ein kleines LED Lämpchen deutete auf seine Aufnahmebereitschaft hin. Also funktionierte die Kabelverbindung, zum Smartphone. Auf dem Laptop war der Text. „Du musst nur noch laut vorlesen“, sagte eine leise Stimme in mir. Ich schnaufte. Hörbar laut. Was war eigentlich der Plan? Ich erinnerte mich.

Kurz nachdem die Erde still stand hatte ich damit angefangen meine Blogbeiträge zu vertonen. Mir war bewusst das nicht alle Menschen gerne lesen. Und manche Menschen, so geht es mir ja selbst auch, hören auch einfach gerne zu. Gründe dafür gibt es einige. Und ab und an ist es eben auch schlichtweg nur angenehm. Sich etwas vorlesen zu lassen. So wäre es möglich, dass ich mehr Menschen mit meinen Texten erreichen könnte. Gerade diejenigen, die nicht jeden Tag Zeit haben etwas längere Beiträge zu lesen. Sich stattdessen einen Podcast anhörten. Oder gar irgendwelchen Unfug. Jede Minute bei mir auf dem Kanal, wäre gleich der Zeit, in der sie eben nicht auf anderen kruden hängenbleiben würden. Kurzfristig sah ich mich als direkter Konkurrent zu irgendwelchen Verblendeten. Die in ihrem völligen Wahn versuchen würden, mich den Untergrundaktivisten, mit eigens dafür angefertigten YouTube Clips zu bekämpfen. „Eigentlich würde das meine Bandbreite nur erhöhen“, kam mir der Gedanke. Ich grinste. „Ein guter Plan, Pinky. Und morgen übernehmen wir die Weltherrschaft.“ Mein Grinsen wurde breiter. Doch wie es mit Plänen so ist, das Leben hat meist etwas dagegen. Darüber hinaus halten sich meine Allmachtsfantasie doch sehr in überschaubaren Grenzen.

Tatsächlich empfand ich nämlich die Tonqualität des Smartphones überhaupt nicht erquickend. Und nach der dritten Aufnahme hatte ich mich nach einem passenden Mikrofon umgeschaut. Und gefunden. Die Lieferung sollte binnen vier Werktage erfolgen. Vertretbar, wie ich fand. Ich hatte gerade eh nichts anderes vor, in den nächsten Wochen. Ausserdem wäre der DHL Mensch sicherlich überrascht, wenn er endlich mal jemanden zu Hause antreffen würde. Während ich dieses Mal nicht mit einem Zettel auf die Poststelle müsste. Schlussendlich konnte ich dem Ganzen nur gutes abgewinnen. Daher verspürte ich auch nur ein leichtes Zwicken, als meine Niere leise „Und irgendwann verkaufst Du noch mich“ wimmerte. Just als ich die Prüfnummer der Kreditkarte eingab. „Zsssssch…“, war zu hören. Wobei das vermutlich die Karte war. Doch ich freute mich einfach nur und beschloss völlig geduldig zu warten. 3-4 Tage. So stand es in der Bestätigungsmail.

Nach 5 Tagen des Wartens wurde ich unruhig. Bisher hatte ich den DHL Lieferanten jeden Morgen sehen können. Wie er vorfuhr. Pakete und Päckchen in der allgemein bekannten, liebevollen Art sortierte. Nur um sie dann entweder in einem Stapel, oder einzeln, die Stufen bis zur Eingangstür zu jonglieren. 5 Tage ging das so. Ratlos schaute ich meinen Buddha an. Er starrte zurück. Was war da los? Ich überlegte. Und schlenderte hinunter ins Erdgeschoss. Vielleicht hatte der Fahrer ja das Paket einfach in den Hausflur gelegt. In der Schweiz scheint dies einer dieser, für uns Deutsche unverständlichen, helvetischen Bräuche zu sein. Manchmal schaute es im Eingangsbereich aus, wie unter einem Weihnachtsbaum.

Suchend blickte ich auf die Vielzahl von Paketen. Grössenmässig passte keins zu meiner erwarteten Lieferung. Da ich aber schon mal hier war ging ich an den Briefkasten. Entnahm etwas Werbung, die ich wie gewöhnlich in die Zeitungsbox darunter entsorgen wollte. Und eben genau dort passte nichts mehr rein. Was allerdings weniger an der Menge an bereits vorhandener Werbung lag. Zumindest nicht ausschliesslich. Denn tatsächlich lag darin auch ein Päckchen. Nun gut. Ich entnahm es, sprang wieder nach oben und packte das Aufnahmegerät aus. Rasch hatte ich das entsprechende Kabel angeschlossen. Den Laptop aufgestellt. Alles fein säuberlich nebeneinander und vor mir platziert. Mein Blick fixierte das Mikrofon…

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.