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Unerreichbar. (Update)

Anfang des Jahres nahm ich mir vor eine Challenge anzunehmen. Ich tue dies bereits seit 6 Jahren. Und jedesmal hat es etwas in mir verändert. Aber in gut. Und nachhaltig. 

DIese Jahr bestand die Herausforderung darin, mich meines Smartphones zu entledigen. Nun ist es nicht so, dass mein Telefon ständig klingeln würde. Zumindest die Anzahl der Anrufe ist überschaubar. Aber allein der Gedanke an die ständige Dauerverfügbarkeit fing an mich mit der Zeit zu stressen. Jahrelang hatte ich mein Handy eingeschaltet. Damit mich die Familie erreichen konnte. 5 Jahre lang war auch die „Freunde“-App aktiv. Tracing, Tracking, Verfügbarkeit. 24*7. 

Also beschloss ich mich Schritt für Schritt Funktionalitäten der Kommunikation aufzuheben. Com Channel Closing. Ich finde den Gedanken einfach furchtbar charmant, dass man tatsächlich wieder nur über ein Telefon erreichbar ist. Und zwar über das, welches zu Hause steht. Damit sich mein Umfeld darauf einstellen konnte informierte ich also im Dezember die Menschheit von meinem Plan. Vor allem darüber, dass ich dieses unsagbare WhatsApp deinstallieren und meinen Account löschen würde. Grosser Aufschrei. Privat wie beruflich. Herrje. Ich tat es trotzdem. 

Fairerweise muss ich dazusagen, dass mein iPhone und ich seit Version 4 eine sehr innige Beziehung geführt haben. Und im Laufe der Jahre hatte ich eine Vielzahl nützlicher (mitunter auch weniger nützlicher) Apps installiert. Auch meine Musik- und Hörbuchsammlung war, ebenso wie meine Bilder, zu einer gigantischen Menge an Daten herangewachsen. Und dennoch hatte sich mein Nutzungsverhalten über die Jahre verändert. Während ich anfangs tatsächlich eine Menge Spiele-Apps hatte, wandelte sich das über die Jahre. Informationsgewinnung, Bildbearbeitung, Bloggen, social Media, all das rutschte mehr und mehr in den Fokus. Hinzu kamen Ticketbuchung, Online Banking, sogar bezahlen mit App. Meinen Laptop nutzte ich so gut wie gar nicht mehr. Wäre ein Brand bei mir zu Hause ausgebrochen, ich hätte mir was zum Anziehen und mein Handy geschnappt. Und ich glaube das trifft es ganz gut, als Beispiel dafür wie innig unsere Beziehung war. 

Nun gut, das Jahr 2020 begann, ich war in München. Da mein Ticket in einer App hinterlegt war und ich während der Rückfahrt etwas Musik hören wollte, legte ich den Startzeitpunkt etwas in die Zukunft. Kurz darauf flog ich nach Berlin. Die Challenge verschob sich erneut. Und mit jedem Öffnen von Twitter, jeder Online-Buchung, Fahrkartenkauf und so weiter, es zog und verschob sich. Bis gestern. 

Irgendwann gestern nämlich habe ich mein Handy verlegt. Verloren? Ich weiss nicht. Es ist einfach unauffindbar. In meinem jugendlichen Leitsinn hatte ich natürlich die Lautlos-Funktion aktiviert. Und laut meinem Dad, so teilte er mir via FaceTime mit, ist es wohl nun auch aus. Vermutlich hätte ich es nochmal laden sollen. Da ich selten vor die Tür gehe schliesse ich einen Verlust derzeit erstmal aus. Und so beunruhigend das auch erstmal sein mochte, so super entspannt bin ich gerade. Tatsächlich bin ich aber für eine Menge Menschen derzeit einfach unerreichbar. Hat auch was. 

Mal schauen wann Chaos ausbricht.

UPDATE:

Ich hab mein Smartphone wiedergefunden. Es lag an einer Stelle, an der ich es niemals vermutet hätte. Logisch. Sonst hätte ich es ja nicht vermisst. Anyway, ich schaltete es an. Unmengen von SMS und Nachrichten. Leicht entnervt schaltete ich es wieder aus. Wer mich tatsächlich erreichen möchte weiss wie das geht. Und ansonsten geniesse ich gerade sehr diese Entlastung ständig etwas zu laden, mit mir rumzuschleppen und auf alles und jedes reagieren zu müssen. Ich bin ja so 1990. Unfassbar gut.

 

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1 Kommentar

  1. Pingback: Raus aus den Seilen | | kritikverloren

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