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Verwurzelt im Leben

Radikal, ein hartes Wort. Und doch benutzen wir es häufig. Handeln ebenso. Radikalität ist das Neue: „von Grund auf verändern“ – Hauptsache anders wie zuvor. Wurzel, lateinisch ‚radix‘, ist der Ursprung dieses Wortes. Demnach wäre ein radikaler Wandel das komplette Re-Engineering einer Struktur. Aber auch die des Geistes. Unseres Inneren.

In der Phonetik bezeichnet man den Laut der Stimmbildung als ‚Radikal‘. Selbst dies finde ich sehr passend. Wir geben uns, oder einer Sache, eine Stimme.

Sagen wir, Du hast ein Haus. Vom Keller bis zum Dachboden eine stabile Struktur. Dir gefällt die Form des Hauses nicht mehr. Oder es ist Dir zu klein. Um etwas an der Grundstruktur zu ändern wäre es ratsam, das Fundament im Keller auszubauen. Zu erweitern. Verstärken. Direkt an der Wurzel. 

Radikal bedeutet nicht ‚Extremismus‘. Denn dies wäre nur eine möglich Konsequenz. Man kann etwas verändern, ohne gleich komplett intolerant zu werden, oder in einem totalitären System aufzuwachen. Aber genau hier besteht die Gefahr. Nämlich dann, wenn Menschen Grundstrukturen verändern, ohne Klarheit über die Nachfolgende zu haben. In seiner Auswirkung.

Bezogen auf das Beispiel mit dem Haus, würde man den Keller einfach sprengen. Eine extreme Massnahme. Mit klar ersichtlichem Resultat: das Haus würde einstürzen. Und man steht erstmal ohne Bleibe da.

Übertragen auf das Leben ist es genau so. Du kannst Dich radikal ändern. Gerade bei Menschen, die plötzlich einer Religionsgemeinschaft beitreten ist das oftmals zu beobachten. Da wird plötzlich gebetet, dem Glauben ein Stimme gegeben. Es werden alte Schriften zitiert. Und man beginnt nach den Grundsätzen dieser zu leben. 

Vermutlich werden das nicht alle Menschen im Umfeld sofort verstehen. Wenige werden dafür bereit sein. Weder ihr bisheriges Leben aufzugeben. Mitzuziehen. Noch werden sich alle anschliessen. Und nochmal ein paar wenige werden diese Glaubenssätze teilen. Gar ablehnen. Eine Aversion entwickeln. Widerstand wird erzeugt. Es kommt zu Reibereien und Spannungen.  Und genau dann, in diesem Augenblick nämlich, wird der Grundstein für Extremismus gelegt. Alle die anders denken, handeln, fühlen, sind plötzlich der Feind. 

Übrigens ist es völlig egal, ob Du das nun auf politisch motivierte, Christen, Moslems, Scientologen, oder gar Buddhisten ummünzt. Ich für meinen Teil habe derart radikalen Wandel bei allen genannten Beispielen beobachtet. Erlebt. Und so willkommen ich eine Strukturveränderung für gut heiße, Extremismus ist der Wahnsinn.

Aus diesem Grund stehe ich genau hier. Fest verwurzelt. Wie eine Mauer. Und leiste Widerstand. Weil jede Form von Extremismus uns genau dahin gebracht hat, wo wir heute sind.

Vielleicht erkennst Du nun den Unterschied. 

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