Permalink

0

Vom Verlust der Verbindlichkeit als Konsequenz der mobilen Flexibilität

Soziale Netzwerke nutzen, Mails abrufen, Billetten, online Banking, Fotos bearbeiten, ein Einkauf im Onlinehandel, ja sogar arbeiten kann man heute von so ziemlich überall. Egal wo und wann.

Egal wo ist natürlich super. „Es ist modern und ausserdem sehr praktisch…“ – in der Tat. Unsere Infrastruktur ermöglicht uns eine ungeahnte Mobilität und Flexibilität.

Sicherlich überwiegen für die meisten Menschen die Vorteile. Zumindest wenn man pro und contra gegenüberstellen würde. Aber wie ist das mit der Gewichtung?

Muss ich tatsächlich von überall aus arbeiten können? Ist es tatsächlich notwendig für jeden Menschen dauerhaft erreichbar zu sein? Muss ich wirklich nachts um 3h noch ein Sofa vom Möbelhaus bestellen? Oder hat das auch bis morgen Nachmittag Zeit?

Verbindlichkeit schafft Verbundenheit.

Doch was ist mit der Verbindlichkeit? Vor ein paar Jahren noch hat man sich tatsächlich noch zu Telefonaten verabreden müssen. Zu Geburtstagen wurden keine emotionslosen Nachrichten via Messenger-Diensten versendet. Man schrieb Postkarten, die möglichst pünktlich abgeschickt wurden, mit dem Füllfederhalter. Zumindest dann, wenn man nicht persönlich vor Ort sein konnte.

Und wie ist es mit der Verbindlichkeit bei der Partnersuche bestellt? Unzählige Netzwerke preisen das „Wunschobjekt“ an, wie in einem Katalog. Klick. Produktbeschreibung. Was treibt der Mensch so? Mit wem ist sie/er befreundet? All diese Informationen sind für jedermann jederzeit von überall her abrufbar. Treffen sind dann unverbindlich. Der Sex danach meist auch.

Wer geht heute noch in eine Bar um Menschen proaktiv kennenzulernen? Wer spricht heutzutage noch jemanden direkt an, um überhaupt Kontakt aufzunehmen? Vermutlich die Wenigsten. Ausserdem starrt die Masse sowieso meist auf ihr Endgerät und nimmt nicht mehr am aktiven Leben teil. Da fällt es sogar schon schwer Blickkontakt aufzunehmen.

Wir fotografieren unser Essen, sitzen uns, aufs Smartphone glotzend, gegenüber und freuen uns über die luxuriöse Mobilität. Schon ein bisschen pervers. Denn mit Verbundenheit hat das alles sicherlich nichts zu tun.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.