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Von der Vergänglichkeit

Tag 1

„There are two baskets here. During the silent retreat you can write questions on a piece of paper. You throw them into the left basket. Your worries, problems, everything that burden you, you throw into the right basket. We will take care of it in the end. I promise you that.“ Mit einem sanften Lächeln und liebevollem Blick schaute der Lehrer in die Runde. Niemand sagte ein Wort. Und doch sah er, das wir verstanden hatten. Ich mochte seine Stimme, die den Raum mit Wärme füllte. So viel Ruhe ausstrahlte. Frieden. Glück.

Tag 7

„Now, sit comfortable and close your eyes. Take a deep breathe….and let go all your efforts. There is nothing to do for your in this moment. Nothing you need to take care off. Breathe in. And out. Just let it go.“

Erinnere Dich an den frühsten Moment in Deinem Leben. Was hast Du getan, als Du zur Welt gekommen bist? Du hast einen Atemzug genommen. Menschen waren um Dich herum. Deine Eltern. Familie. Haben sich um Dich gekümmert. Dich umsorgt. Du hattest keine Aufgaben. Keinen Stress. Du lerntest die Welt kennen. Verweile in dieser Erinnerung.

8 Jahre später. Du gehst zur Schule, lernst weiter die Welt kennen. An manchen Tagen klappt etwas nicht, wie du es dir vorgestellt hast. Aber im Grunde bist Du glücklich. Du spielst mit Deinen Freunden. Bist unbeschwert. Bewegst Dich frei. Und bist neugierig auf das Leben. Erinnere Dich an diese Gefühle.

Wieder 8 Jahre später. Du bist jetzt ein Teenager. Die Sorgen aus Deiner Kindheit sind vergangen. Jetzt hast Du Deine(n) erste(n) Freund(in). Den ersten Kuss. Menschen die Du liebst sind gegangen, gestorben. Du erlebst Verlust. Trauer. Bleibe in diesem Augenblick.

Du bist nun Mitte 20. Deine Berufsausbildung, Dein Studium ist vorbei. Die Trauer über den Verlust aus deiner Teenagerzeit, ist vergangen. Dafür erinnerst Du Dich gerne an Deine Kindheit. Du hast eine Wohnung. Planst Dein Leben. Manches funktioniert, manches nicht. Dann bist Du vielleicht wütend. Oder Traurig. Und wenn etwas klappt, dann feierst Du das. Sieh es vor Dir. Fühle in Dich rein.

Gehen wir weiter. Du bist nun 40. Deine Sorgen aus der Kindheit, aus der Zeit als Du Teenager warst, sie sind vergessen. Manchmal erinnerst Du Dich daran. Auch an Deine Ausbildungszeit. Aber es tut dir nicht mehr weh. Über die Jahre hast Du Dir ein Leben aufgebaut. Vielleicht geheiratet. Kinder bekommen. Vielleicht bist Du auch geschieden. Deine Sorgen sind jetzt andere. Und dennoch geniesst Du das Leben. Fährst in Urlaub.

Nun stell Dir vor, Du bist 60. die Probleme und Sorgen von einst: sie sind vergangen. Du hast einen Grossteil Deines Lebens gelebt. Und bald musst Du nicht mehr arbeiten. Du hast Enkelkinder. Siehst Sie aufwachsen. Erinnerst Dich an Deine Kindheit. An manchen Augenblick. Dein erstes Auto. Deine erste Reise. An Menschen, die Dich ein Stück begleitet haben. Du lächelst dabei.

Nun bist Du 80 Jahre alt. Du arbeitest schon lange nicht mehr. Stell es Dir vor. Deine Kinder und Enkelkinder sind nun alle erwachsen. Der Schmerz und die Trauer von einst sind vergessen. Es waren Kapitel in Deinem Leben. Keine Bücher. Du gehst jeden Tag spazieren. In den Park. Neugierig schaust Du, wie die Enten auf dem See schwimmen. Dein Leben ist voller Erinnerung.

Mit 100 schliesst Du die Augen. Siehst all das Gute was passiert ist. Wie ein Film wird es sein. Sorglos. Und Frei. Bevor Du zu Staub zerfällst. Und neues Leben erwacht.

„Om Shanti, Shanti, Shanti…..now open your eyes.“ Ein sanfter Blick in die Runde. Als alle wieder angekommen sind steht er auf und nimmt den Korb, mit den Zetteln. Auf die wir 1 Woche unsere Probleme, Sorgen und all das geschrieben hatten, was uns belastet hat.

„Now, please follow me“, er macht eine einladende Handbewegung. Und wir folgen dem Lehrer ins Freie. Zu einer Feuerstelle. „I promised you, we will take care off all your sorrows and problems.“ Dann schüttet er die Zettel auf der Feuerstelle aus. Und zündet sie an. Ein Flame lodert auf. Erleichterung. Er lächelt.

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