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Wahrnehmung

Interessant ist es zu beobachten, wie man sich selbst verändert. Auch wie andere Menschen einen wahrnehmen. Dabei ist beides manchmal so gegensätzlich. Denn meine Wahrnehmung zum Beispiel, die beruht mit Masse auf dem, was ich morgens im Badezimmerspiegel sehe. Meine Haare werden weniger. Hier und da blitzt mal ein graues durch. Auch am Bart. Meine Augenringe sind deutlicher zu erkennen. Ebenso wie meine Stirnfalte. Dabei ist mein Blick tiefer geworden. Dennoch wach. Aufmerksam. „Augen, wie Schoggi in Kaffee“. Das ist wohl so. Aber auch ich werde älter. Körperlich. Ich sehe das. Spüre das natürlich auch.

Innerlich merke ich die Veränderungen ebenfalls. Sehr sogar. Durch das auf- und durchbrechen erlernter Strukturen. Wie mir manches leichter fällt. Indem ich Themen gelassener sehe. Mir immer öfter sage „es ist wie es ist“. Wobei mein Kopf einfach Reggae lauschend in einer Hängematte chillt. Zusammen mit meinem Schubladenverwaltungsassistent. In seinem Lieblings-Shirt, mit der Aufschrift: „Event to /dev /null“. Wie altern gemeinsam.

Ganz klar gibt es trotzdem noch ganz viele Strukturen in mir. Über Jahre gereift. Entstanden aus Erfahrungen. Erlebtem. Sei es aus der Jugend. Meiner Zeit beim Militär. Aus dem Einsatz. Sarajevo. Und alldem, was mir die letzten Jahrzehnte beruflich und privat widerfahren ist. Manche werden für immer bleiben. Gerade wenn es um Vertrauen geht. Da bin ich für mich sehr klar. Gefestigt. Und kompromisslos.

Andere Themen wiederum betrachte ich mir. Und prüfe für mich, ob ich sie mit meiner eigenen Wahrheit in Einklang bringen kann. Oder ob es Raum für Veränderung gibt. Letztendlich hat mich all dies in Summe zu dem gemacht, der ich heute bin. Auch wie ich bin. Und wenn ich bin, dann kann ich auch sein. Vor allem ich selbst.

Das mag jetzt jeder für sich selbst bestimmen, ob das gut oder schlecht ist. Ob es Schnittstellen gibt. Berührungspunkte. Oder eben nicht. Und manch eine(n) mag das Gefühl beschleichen mir dies mitzuteilen. Das ist ok. Ich kann damit gut umgehen. Ausserdem bin ich nicht „unnahbar“ – übrigens eines der häufigsten Feedbacks, dass ich dieses Jahr erhalten habe. Mich selbst nehme ich so tatsächlich überhaupt nicht wahr. Freilich kann das auch daran liegen, dass ich sehr sparsam mit Komplimenten bin. Dabei lasse ich andere durchaus wissen, wenn ich etwas gut finde. Lob & Anerkennung sind wichtig. Um Wertschätzung auszudrücken. Aber ein richtiges Kompliment, das muss sitzen. Finde ich. Es muss so platziert sein, dass der Mensch der es empfängt sich seiner Bedeutung bewusst ist. Doch ich schweife ab. „Du lächelst wenig“, das bekomme ich ebenfalls zu hören. Beruflich und privat. Übrigens auch zu Zeiten, in denen ich viel gelacht habe. Schon eine Weile her. Ich weiss. Doch mittlerweile klappt auch das Lächeln wieder. Wenn auch nicht für jeden offensichtlich.

Viele meiner Mitmenschen nehmen mich also als kühl und zurückhaltend wahr. Das ist ok. Nicht jedes Empfinden ist gleich. Gegensätzlich, ich schrieb es eingangs schon. Ich schaue in den Spiegel. Runzle dabei die Stirn. Und betrachte mir kritisch die Falte. Denn selbst wenn ich lache, geht sie nicht weg.

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