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Wunden alter Zeiten

Auf dem Weg ins Hotel laufe ich vorbei am Friedrichstadt Palast. Rüber, zur Museumsinsel. Vor mir trottet eine Gruppe französischer Touris. Sie unterhalten sich angeregt, schlendern. Ich überhole sie rasch. An einem Gebäude sind Einschusslöcher. Im vorbeigehen gleiten meine Hände über die Löcher im Sandstein. Manche sind klein. Andere gross. Wieder andere haben die Grösse und Tiefe eines Apfels. Wahrscheinlich Schrapnelleschäden.

Die vielen Löcher sind in unterschiedlichen Abständen, ohne erkennbares Muster, in dem Gemäuer verewigt. Die Schüsse müssen von allen Seiten gekommen sein. Auch Maschinengewehrsalven lassen sich erahnen. Ich bleibe stehen. Halte inne. Hier müssen furchtbare Kämpfe stattgefunden haben.

Die Franzosen hinter mir tun es mir gleich und streichen mit ihren Fingern über die Einschusslöcher. Sie verstehen das sie aus den letzten Tagen des 2. Weltkriegs stammen. Sie schaudern. Blicken mich an. Es ist kein Mitleid. Denn es gibt hier nichts zu bemitleiden. Es ist eher ein Bedauern. Unsere Blicke treffen sich nur kurz. Aber wir verstehen. Alle. Alles. Wir bedauern. Dann nicken sie mir still zu. Und gehen weiter.

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